Reichlich späte re:publication
8. Mai, 2012 @ 13:07 | Kultur & Kontext |
Es ist grad viel los. Über unsere wunderbare Aufnahmewoche mit Ingo Vogelmann hat Duke drüben bei den Singvøgeln ja bereits berichtet.
Nur wenig später packten wir drei die Rucksäcke und fuhren nach Berlin, und zwar zur re:publica, wo wir seit Jahren schon hinwollten, was sich aber wegen Terminkollisionen nie verwirklichen ließ. Über die Konferenz als Ganzes ist überall im Netz schon so viel geschrieben worden, daß ich einfach mal erzähle, wie’s für mich selber war und was ich mir angeschaut habe.
Ich liebe es ja, zu lernen und lasse mir wahnsinnig gerne von kompetenten Leuten interessante Dinge erzählen. Demzufolge fühlte ich mich drei Tage lang wie eine Katze am vollen Milchtellerchen, die sich ständig genußvoll die Lippen lecken konnte.
Nachdem ich mich erst einmal in der Örtlichkeit orientiert hatte, geriet ich in einen der allerersten Vorträge, wo Eben Moglen ebenso eindringlich wie rhetorisch brilliant die Notwendigkeit des Prinzips Freiheit für das Internet erläuterte.
Die Präsentation “Der Gläserne Künstler” war für mich in vielfacher Hinsicht interessant, insbesondere die Tatsache, daß ein Zuhörer erstaunt fragte, wie man denn mit einem derart geringen Einkommen über die Runde kommen könne und der Musiker, dessen Daten analysiert wurden, mit breitem Lächeln erklärte, er seie sehr zufrieden und es ginge ihm gut, er mache genau, was er wolle und käme prima zurecht. Die Kriterien sind eben unterschiedlich. Die Bereitschaft, sich zu verkaufen, auch.
Der Lawblogger Udo Vetter hat die ebenso seltene wie angenehme Eigenschaft, juristische Zusammenhänge extrem verständlich erklären zu können. Und außerdem hat er mir nachmittags beim Bierchen verraten, wie ich aus meinem Telefon eine richtige Anlage machen kann. Äh, naja, wenigstens so was Ähnliches.
Später begleitete ich Duke zu einer Session zum Thema Self Publishing, wo er zwar nicht allzuviel Neues erfuhr, aber doch sein eigenes Konzept dafür klären konnte. Ja, er hat was geschrieben. Und ich freue mich schon auf die Veröffentlichung…
Es waren auch ein paar Leute von einer Self-Publishing-Agentur vor Ort, mit denen wir uns dann zu einer Informationsrunde im kleineren Kreis zusammenfanden und die sehr gut zum Thema informierten. Fazit: sobald totes Holz in’s Spiel kommt, wird’s teuer. Was ja irgendwie logisch ist.
Am Abend delektierten wir uns dann noch an einer Improvisationstheatershow, machten uns dann aber relativ bald auf den Heimweg zu den uns beherbergenden Freunden im Prenzlauer Berg, was wegen einer U-Bahn-Dauerbaustelle sowieso länger dauerte als normal.

Am nächsten Tag gab ich mir informationstechnisch ziemlich die Kante. Es war aber auch so viel los, und ich hoffe inständig, daß die meisten Sessions, die ich notgedrungen verpaßte, irgendwann noch auf Video publiziert werden, denn da ist einiges, was ich auch gerne gehört hätte.
Tim Pritloves Vortrag über Podcasts war wiederum in erster Linie für Duke interessant, aber der Mann kann so fesselnd reden, daß es mir auch Spaß gemacht hat.
Hinterher gab es dann eine geballte Ladung Politik und Zeitgeschichte. Zum einen mal eine fundierte Analyse der Rolle von Social Media im “Arabischen Frühling”, hinterher gleich einen sehr eindringlichen Bericht über die Lage in Syrien, der mich ziemlich sprachlos gemacht hat, obwohl mir etliches doch schon bewußt war. Aber es kann einem eigentlich gar nicht bewußt genug werden.
Dann folgte eine Betrachtung von Netzzensurmethoden im Mittleren Osten und in Nordafrika, die sich aber nicht mit der Beschreibung des Status Quo begnügte, sondern auch zeigte, daß erfolgreicher Widerstand möglich ist.
Die entscheidende Quintessenz aus alledem ist die Erkenntnis, daß es unglaublich wichtig ist, all diese Themen im öffentlichen Bewußtsein zu halten, und daß es auch hier die vielen Tropfen sind, die den Stein höhlen. Woran man sich immer wieder erinnern sollte, wenn der Gedanke sich aufdrängt, man “könne doch eh nichts tun” und ein Klick, z. B. bei Amnesty, “bringe doch sowieso nichts”.
Nach unserem Vortrag an der University of Plymouth wollten wir Singvøgel natürlich gerne wissen, wie andere Leute das Thema Musik und gesellschaftspolitischer Aktivismus wahrnehmen. Es ist wirklich schade, daß dabei die Technik heftig zickte und daß die Örtlichkeit akustisch so schwierig war. Mit diesem Thema allein könnte man Stunden füllen und ich habe nicht wenig Lust, da dranzubleiben…
Im Netz tummeln sich bekannterweise eine Menge unangenehmer Gestalten, aber zum Glück auch schlagkräftige Initiativen gegen braune und sonstige menschenfeindliche Kacke. Es hat gut getan, zu hören, daß da einiges passiert. Und ich war sehr beruhigt, daß zum Schluß alle in das Fazit einstimmten, es genüge nicht, Extremismus am rechten oder linken Rand der Gesellschaft zu verorten, weil er oft geradewegs aus ihrer Mitte heraus generiert wird, in Form von plattem, polemischem Populismus beispielsweise. Die aktuelle Islamophobie ist da ein gutes Beispiel.
Ebenso sachlich wie eindrücklich ging es dann um die Frage, wie man Burnout verhindern kann, wenn man sich leidenschaftlich im Netz für ein Thema engagiert und einem dabei das eigene Leben aus der Hand zu gleiten droht. Stephan Urbach und Co. schafften es, das ohne Sentimentalität, aber auch ohne Beschönigungen und vor allem sehr lösungsorientiert rüberzubringen. Chapeau!
An diesem Abend war ich ziemlich durch und froh, daß wir uns schon im Vorfeld mit einer lieben Freundin zum leckeren vietnamesischen Mahl verabredet hatten, wo wir ausgiebig über Musik klönten. Ich trinke spätabends selten Kaffee, aber da brauchte ich einen, um hinterher überhaupt noch den Heimweg zu schaffen. Dann jedoch gab’s Bier und Philosophie beim Gastgeber und es war wieder nichts mit erholsam langem Schlaf.
Aber es gibt ja Hilfsmittelchen: Flüssigwecker waren auf dem re:publica-Gelände zum Glück reichlich erhältlich, so daß ich auch am nächsten Tag wieder einigermaßen aufnahmefähig war.
Was auch nötig war, denn die Debatte um die aktuellen “Copyriots” interessierte mich natürlich sehr. Schade, daß sie zum Schluß doch wieder in Polemik abrutschte, trotz der brillianten Moderation von Johnny Häusler.
Da war’s hinterher richtig erholsam, sich Felix Schwenzel anzuhören, den Meister der Gemeinplatzveredelung. Natürlich weiß jeder, daß das Internet aus Leuten besteht, aber es so brilliant erklärt zu kriegen, hat wahrlich Spaß gemacht! Zu dumm, daß ich seine Hysteriekurve nicht fotografieren konnte, die war genial. Und wahr.
[Edit: Schaut mal in die Kommentare!
]
Solchermaßen stabilisiert freute ich mich auf Till Kreutzers Vision für ein Urheberrecht 2037, wo’s dann tatsächlich ein bissl konkreter und konstruktiver wurde, sofern das bei Visionen halt geht.
Ein bißchen unverständlich bleibt mir, warum die Initiative zur Gründung einer alternativen Verwertungsgesellschaft, Cultural Commons Collecting Society, mit ihrem Sessionvorschlag für die re:publica nicht durchkam, das hätte meines Erachtens famos in’s Programm gepaßt. Aber zum Glück können wir die ja am kommenden Wochenende auf dem Future Music Camp hören.
Bei mir, aber auch bei den Herren Kollegen war das Hirn dann sozusagen übervoll, weswegen wir uns vom Gelände schlichen und uns freuten, eine Singvøgel-Sympathisantin zum Kaffee treffen zu können. Was sich dann ein wenig länger hinzog als geplant, woraufhin wir die Abschlußsession sausen ließen und lieber hinterher im Freien noch ausgedehnt mit diversen Bierchen in der Hand in der Gesellschaft einiger interessanter Menschen herumstanden und redeten. Bis uns die absolute Erschöpfung übermenschte, wir uns in die U-Bahn schmissen und nach etlichen Umwegen wegen Störungen oder wasweißich wieder im Quartier eintrafen.
Am nächsten Tag hatten wir glücklicherweise ein wenig Zeit zum So-einigermaßen-ausschlafen, Mit-den-Gastgebern-brunchen, Ein-wenig-in-der-Stadt-rumlaufen und Verabredung-mit-lieben-Leuten-haben, bevor wir uns am folgenden Morgen einigermaßen wach wieder auf die Heimfahrt machten. Und prompt, wie schon auf der Hinfahrt, im Stau steckenblieben.
Und jetzt?
Keine Atempause.
Ja, es geht voran.
Der Stand der Dinge
18. Februar, 2012 @ 21:22 | Allgemein |
Finger:
Naja. Die Schiene ist jetzt runter (außer für Tätigkeiten, bei denen ich fest zupacken muß, also Sachen tragen etc.). Die Sehne hat sich beim Zusammenwachsen verlängert, weswegen das erste Fingerglied immer noch ziemlich herunterhängt. Ob das so bleibt oder noch besser wird, ist noch nicht klar. Die Handtherapeutin meinte, man könne auch gut leben, ohne seine Gelenke total überstrecken zu können (ist tatsächlich so, meine Finger zeigen nach oben, wenn ich sie ganz durchdrücke). Allerdings ist die Sehne für die nächsten Monate (!) noch nicht 100%ig stabil, weswegen ich auf den Finger gut achten muß. Und weh tut er auch noch, wenn ich mal blöd hängenbleibe oder irgendetwas mit Schmackes anlange.
Das Gitarrespielen fange ich langsam wieder an, aber es schmerzt halt immer noch, deshalb spiele ich vorläufig meine kleine Reisegitarre, die Waldfee. Die freut sich natürlich über so viel Aufmerksamkeit, aber Gerry und Holzrose beginnen mich allmählich zu vermissen. Und ich sie auch.
Baßspielen geht so lala mit drei Fingern. Das tut aber blöderweise noch mehr weh als Gitarrespielen, weil der Finger da flacher aufliegt.
FAWM:
Ich hab selber gar nicht richtig registriert, daß ich schon 14 Songs geschrieben habe. Da ich ja spieltechnisch so eingeschränkt bin, habe ich mich in diesem Jahr damit abgefunden, wirklich nur Skizzen aufzunehmen. So konzentriert arbeiten wir derzeit konnte ich bis jetzt nur selten zuvor. Es macht einen Riesenspaß und ist trotz aller Dichte und hohen Frequenz sehr entspannt und unanstrengend. Ich bin so dankbar, daß es dieses tolle Projekt jeden Februar gibt!
Singvøgel
Die fingerbedingte Zwangspause nervt uns drei natürlich gewaltig. Aber wir nutzen die Zeit (siehe FAWM), machen Planungen, bereiten uns auf kommende Aktivitäten vor (soweit es halt grad geht, siehe Finger) - und haben endlich wunderhübsche eigene Plektren:
FAWM
4. Februar, 2012 @ 20:52 | Allgemein |
Es ist wieder soweit. In den nächsten 4 Wochen lasse ich mich von den Musen küssen und schaue, wohin Pegasus mich trägt.
Wer dabei sein will, klicke hier:
http://fawm.org/fawmers/karan/
Gewinnspiel bei den Singvøgeln
11. Januar, 2012 @ 19:50 | Allgemein |
Und die Lösung könnt Ihr hier loswerden.
Viel Vergnügen!
Neu Ja sagen
1. Januar, 2012 @ 23:36 | Allgemein |
Ich habe mit lieben Menschen und bei leckeren Speisen und Tränken hineingefeiert und wünsche uns allen ein wunderschönes Jahr 2012!
Kommentare (0)In der längsten Nacht …
21. Dezember, 2011 @ 23:55 | Allgemein, Persönliches |
… brennt ein Licht so klein
bald scheint die Sonne und
bald wird es Morgen sein …
Knopf im Ohr
7. Dezember, 2011 @ 22:59 | Allgemein, Persönliches |
Mit dem Musikhören ist es bei mir komisch. Ich kann nicht gut etwas anderes nebenher machen, weswegen ich auch Parties mit Hintergrundbeschallung oder Musik im Restaurant extrem anstrengend finde. Eigentlich bin ich dabei am liebsten allein (mal abgesehen vom Musikfilmgucken mit meiner Band). Da sollte man meinen, daß ich dauernd mit Knopf im Ohr herumlaufe und meine privaten Soundtracks laufen lasse. Weit gefehlt!
Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie es war, als ich das erste Mal Kopfhörer aufhatte. Zwar werde ich mir jetzt nicht die Mühe machen, zu schauen, welches Jahr das gewesen ist (und dann darüber erschrecken, wie furchtbar lange es schon her ist), will aber verraten, daß der Walkman da sozusagen der allerletzte Schrei war. Ich hatte natürlich keinen, im Gegensatz zu einigen Schulkameraden, mit denen ich auf Klassenfahrt war. Und bei dieser Gelegenheit bekam ich die Kopfhörer auch mal übergestülpt.
WAMM!!!
Ich habe keine Ahnung mehr, was für Musik da lief. Es muß irgendein damals populäres Zeug gewesen sein, aber das war gar nicht wichtig. Ich hörte, nein spürte plötzlich alles. In meinem Kopf. Zwischen meinen Ohren. In mir drin. Dreidimensional. Der Wahnsinn!
Es dauerte nicht lange, da besaß ich selber so ein Gerät, aber ich lief nicht mit zugestöpselten Ohren durch die Stadt. Körperlich in Bewegung sein und dabei Musik hören, das geht bei mir ebenfalls nicht gut. Es war damals eine Zeit, in der ich aufgrund großer räumlicher Entfernung zwischen Wohnsitz eins und Wohnsitz zwei relativ viel mit der Bahn unterwegs war. Und dort habe ich dann Musik gehört. Das war für mich der ideale Ort dafür.
Für bestimmte Strecken hatte ich Lieblingsmusiken: mit den Ausläufern des Spessart und dem buntsandsteinigen Maintal werde ich wohl auf ewig Charles-Marie Widors fünfte Orgelsymphonie verbinden, die ich bis heute fast auswendig mitsingen kann. Eine bestimmte Strecke zwischen Fürth und Nürnberg hat das Stück “Pastoral” aus “Visions of the Emerald Beyond” von John McLaughlins Mahavishnu Orchestra als Soundtrack. Immer noch, jedesmal, wenn ich da entlangfahre, habe ich es im Kopf. Und im Münsterland erklingt irische Gitarrenmusik.
Heute wäre das ja eigentlich auch noch möglich und viel einfacher und komfortabler, mit den winzigen Kopfhörern und noch winzigeren MP3-Spielern. Aber ich habe nicht mehr oft die Möglichkeit, irgendwo mit der Bahn hinzufahren, lange Strecken für mich allein, die innere und die äußere Landschaft in Einklang bringend. Und dann kommt noch dazu, daß ich MP3s nicht wirklich mag, sie klingen für meine Ohren flach und kalt. Wahrscheinlich würde ich erschrecken ´über einen Direktvergleich mit den schrottigen, rauschenden Kassetten vond damals. Aber kein modernes Abspielgerät hat es je geschafft, diesen Raum in mir zu erzeugen, diese Welt zwischen Ohr und Ohr, diese schier unendliche Weite im Hirn, in der Innenwelt.
Wie komme ich überhaupt auf all das? Ich las heute dies. Und habe mich erinnert. Am liebsten ginge ich morgen zum Bahnhof, kaufte einen Fahrschein nach M., nach B. oder gleich nach T. - aber was würde mir das nützen, ohne Walkman und ohne meine geliebten, längst verschwundenen Kassetten?
Kommentare (10)Der Sommer der vier Meere, der heiße Herbst und der wilde Winter
4. Dezember, 2011 @ 23:35 | Allgemein, Persönliches |
Ja.
Ich lebe noch.
Und gern.
Es war der Sommer der vier Meere:
(Auch wenn kniefieselige Leute behaupten, es wären geographisch, äh, ozeanographisch gesehen nur zwei und in Wahrheit eigentlich sogar nur eins.
)
Es folgte ein ziemlich heißer Herbst.
Und jetzt peitscht der Regen auf’s Dach und ich habe das Gefühl, es könnte ein wilder Winter werden. In absolut positivem Sinn …
Kommentare (4)First we take Berlin
4. November, 2011 @ 23:31 | Allgemein |
(Ja, die Herren Kollegen sind auch dabei.)
Kommentare (0)Die Sprache verschlagen / lost for words
19. Mai, 2011 @ 16:38 | Allgemein, Persönliches |
Nach dem Atomunglück in Japan hat es mir irgendwie die Sprache verschlagen. Dabei ist so viel passiert seither, auch Schönes. Aber auch viel Schweres. Der Blick in die Welt wird mir manchmal schmerzhaft.
Und fatalerweise begann ich dann zu warten, auf irgendein riesiges, sinnfälliges Thema, über das ich schreiben könnte, auf eine lebensverändernde Erkenntnis, auf ein großartiges Ereignis… so lange, bis ich den Wald vor Bäumen nicht mehr sehen konnte.
Wald, Bäume. Das wäre auch eine Idee, endlich mal wieder hinauszugehen in den Wald, in’s mittlerweile schon sattdunkle Grün…
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I was somehow lost for words after the nuclear disaster in Japan. A lot has happened since then; nice things, too. But a lot of difficult ones as well. Sometimes I find it painful to watch the world.
And fatally enough I began to wait, for some kind of huge, obvious topic that I might write about, for a life-changing insight, for a great event… until I was unable to see the woods for the trees.
Woods, trees. That would be an idea: to finally go out again to the woods, to the green, which has already transformed into a luscious dark…
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