Silbent-Rennung hat ihre Tücken

Ich pflanzte den RHODODEN-DRON im Garten an die Mauer
Da wurden die BLUMENTO-PFERDE mächtig wild und sauer.

Und DIE KUHRANNTEBISSIE FIEL in eine VERTIE-FUNG.
AM EISENHAUFEN stand ein KIR-SCHWEIN und sang diesen Sung:

Ich schmier mich ein mit ERZEN-GEL, denn das riecht wirklich fein,
und fange mir auf FANTAS TISCH die SPEZI-FISCHE ein.

Dann fahre ich nach SÜDEN-GLAND, besuch ein SCHULZEN-TRUM,
sonst bleib ich ein ANAL-PHABET, das wäre doch zu dumm!

Die ARGUM-ENTE wird serviert, zu Wein frisch aus dem Keller,
mit ROHR-OHR-ZUCKER hübsch bestreut, auf einem ANTRAGS-TELLER.

Der FLUTSCH-EINWERFER wirft den Flutsch sehr schwungvoll auf den Boden.
Es kratzen die EUROPA-LETTEN sich an den MET-HODEN.

Der würdige TOTENKO-PFAFFE segnet BILLI-GREISE,
Die SCHULA-ULA seufzt entzückt: Das zieht KARIBI-KREISE!

Die Regel lautet allgemein: ERST UNKEN, dann BEIN HALTEN.
Die BEIFALLS-TÜRME stürzen ein, die wundervoll bemalten.

Das KLÄRSCH-LAMM und der FRUCH-TIGER halten sich an den Händen.
Das geht jetzt aber doch zu weit! Drum muss dieser VERS ENDEN …

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Rattenschiff / Rat Ship

OK, this will be in English, because I think that some FAWMers might read it, too.

A year ago, during February Album Writing Month, I wrote a little ditty about the “Lyubov Orlova”, an abandoned, rat-infested former Russian cruise ship that drifted across the Atlantic Ocean. You can listen to it here:

RATTENSCHIFF

Ein Schiff treibt verlassen im Ozean und niemand will es mehr haben.
Auf Deck wohnen Schwärme von Möwen und in der Kombüse, da wimmeln die Schaben.
Der Rumpf ist schon gänzlich von Muscheln bedeckt, ein Seeigel hat sich am Ruder versteckt und geht mit auf die Reise, die Reise, die nirgendwo endet. Ja, er geht mit auf die Reise, die Reise, die nirgendwo endet.

Denn als dieses Schiff noch im Hafen lag, da haben wir es übernommen.
Und dann ist ein mächtiger Winterorkan über’s Meer und die Küste gekommen.
Die Leine riss und die See schlug hoch und heute fahren wir immer noch, denn wir sind auf der Reise, der Reise, die nirgendwo endet …

Wir Ratten erobern das sinkende Schiff und wir flicken die Löcher und Risse.
Wir brauchen kein Segel, kein Steuerrad, denn wir fahren ins Ungewisse.
Wir bleiben auf See und gehen nie mehr an Land, denn dort sind wir verfemt, als abscheulich bekannt, ja wir sind auf der Reise …

Ein Schiff treibt verlassen im Ozean, es ist unsere Heimat geworden.
Der Sturm führt das Ruder und weht uns umher, von Westen nach Süden nach Norden.
Wir haben die Freiheit, wir brauchen kein Ziel, wir haben ein Schiff, brauchen sonst nicht mehr viel, denn wir sind auf der Reise …

******************

An abandoned ship drifts on the ocean, nobody claims it any more.
Flocks of seagulls live on deck, and cockroaches swarm in the caboose.
The hull is already completely covered with seashells, a sea urchin has hidden on the rudder and will go on the journey, the journey that will end nowhere. Yes, it will go on the journey, the journey that will end nowhere.

When the ship was still in port, we took it over.
And then a mighty winter hurricane came across the sea and the coast.
The rope broke and the waves crashed high, and we are still sailing today, because we are on the journey …

We rats conquer the sinking ship, and we mend the holes and cracks.
We need no sail, no helm, because we sail into uncertainty.
We stay at sea, never go on land again, because there we are outcasts, known as abominable; yes, we are on the journey …

An abandoned ship drifts on the ocean, it has become our home.
The storm holds the rudder, blowing us around, from West to South to North.
We have freedom, we need no destination, we have a ship an don’t need much else, because we are on the journey …

The “Lyubov Orlova” was last seen on February 23rd, 2013, and was reported as having sunk. I could not believe it when, this week, the story crept up again in England!

And now the rats are even on Twitter! The people on the British shores will have nothing to fear from the rats – such a degree of cultivation and stamina confirms all the conclusions I came to one year ago in my song! ;-)

[Deutsche Zusammenfassung: Englische Medien berichten, daß das verlassene, von Ratten bewohnte und seit letztem Februar auf dem Atlantik verschollene ehemalige russische Kreuzfahrtschiff "Lyubov Orlova" möglicherweise immer noch auf dem Ozean herumdümpelt und somit allmählich die britische Küste erreichen müßte. Wenn die Ratten das tatsächlich geschafft haben, dann müssen sie tatsächlich so schlau sein, wie ich in meinem kleinen Liedchen vermute! :-) (Und bei Twitter sind sie auch; Link siehe oben!)]

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Neujahr 2014

ErsterJanuar

Die Erde kennt keine Jahreswende. Sie dreht sich von der Nacht zum Morgen und vom Morgen in die Nacht. Die Krähen spielen über dem Tal und kreischen vor Freude. Ich bin dankbar. Für alles, was im vergangenen Jahr gut gegangen ist, für die Menschen an meiner Seite, für diejenigen, die gestern Nacht bei mir waren und diejenigen, die in der Ferne an mich gedacht haben.
Ich möchte meine Menschenzeit immer mehr messen, wie die Krähen es tun. Mit frohem, wildem Flug, im Schwarm derer, die zusammengehören.

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Schwerelos

Kürzlich habe ich etwas Wunderbares geschenkt bekommen.

Als Kind bin ich beinahe ertrunken. In einem öffentlichen Schwimmbad. Ich war zu der Zeit gerade dabei, das Schwimmen zu lernen, konnte es aber noch nicht richtig. Und habe es hinterher überhaupt nur so einigermaßen hinbekommen, weil eine hilfsbereite Sportlehrerin sich darum gekümmert hat. An In’s-Wasser-Springen oder daran, auch nur die Ohren (geschweige denn die Nase) unter die Oberfläche zu halten, war aber seit dem Vorfall nicht mehr zu denken.

Ja, ich habe ein regelrechtes “Wasser-Trauma”. Und das, obwohl ich das Meer liebe. Ich schwimme auch gerne darin, sogar bei Temperaturen deutlich unter 20 Grad, nur halte ich eben den Kopf hoch aus den Fluten, wie eine ängstliche Ente. Schaut komisch aus, funktioniert aber (solange es keine allzu hohen Wellen gibt).

In’s Schwimmbad verschlägt es mich nur selten. Ich mag kein Chlor und keine Menschenmassen. Neulich jedoch erlag ich den Verlockungen einer Therme. Und da gab es ein Solebecken mit sehr hohem Salzgehalt. Traumhaft für die Haut, körperwarm, so eine große, runde Riesenbadewanne eben.

Begleitet wurde ich von zwei Menschen, denen ich zutiefst vertraue und die auch um meine riesigen Ängste wußten. Und die haben mich dann am Kopf und an den Füßen festgehalten und gaaaanz behutsam und langsam auf das Wasser gelegt. Das mich aufgrund des vielen Salzes natürlich bestens trug. Irgendwann waren dann auch die Ohren unter Wasser und ich merkte verblüfft, daß man da ja trotzdem noch was hören kann. Und noch eine gute Weile später schwebte ich dann ganz entspannt (und ohne noch länger festgehalten zu werden) im Becken herum.

Ich glaube, so ähnlich müssen sich Astronauten in der Schwerelosigkeit fühlen. Ich wußte kaum mehr, wo oben und wo unten war. Es war eine unvorstellbar schöne und neue Art der Entspannung, weil der Körper ja nirgendwo aufliegt und trotzdem kein Muskel irgendeine Kraft aufbringen muß. In mir erwachte eine tiefe Erinnerung, es war etwas Urvertrautes, Uraltes, ein Nach-Hause-Kommen unbeschreiblicher Art. Ich war in meinem Element.

Was ich schrieb, in meinen Liedern “Muschelkalk” und “Aller Anfang ist Meer”, das waren tiefe Ahnungen. Nun weiß ich: es ist wahr. Klar, wir sind als Embryos alle mal frei und unbeschwert herumgeschwommen. Aber ich glaube, die Verbindung zum Wasser ist noch viel elementarer. Das Wasser ist der Ursprung allen Lebens.

Ich bin den beiden liebevollen Menschen so dankbar, die mir so geduldig und sanft geholfen haben, meine blöde Wasser-Phobie ein Stück weit zu überwinden.

Wir sind verbunden mit den Ozeanen, wir sind Fische auf dem Land …

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Das vierzehnte Sonett

Vielleicht ist dieses Leben eins von vielen,
gespannt im Fächer der Unendlichkeit.
Doch wir, gebunden hier an Raum und Zeit,
verstricken uns in Wünschen und in Zielen.

Vielleicht haben wir alles längst erreicht,
in einer Falte dieser vielen Welten,
wo völlig andere Gesetze gelten,
das Ferne nah ist und das Schwere leicht.

Vielleicht hat es uns immer schon gegeben
in dieser Mehrzahl aller Wirklichkeiten.
Vielleicht gibt es kein ungelebtes Leben.

Wie wandelte sich unser Tun und Planen,
wie könnte unser kleiner Geist sich weiten,
wenn wir dies wüssten, statt es nur zu ahnen …?

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Westwind und Taifun

westwind cover 800

Der Westwind begleitete uns Singvøgel die ganze Zeit, als wir dieses Jahr auf der dänischen Nordseeinsel Rømø unsere neue CD aufnahmen. Wieso eigentlich auf Rømø?

In unserem eigenen Proberaum-Tonstudio konnten wir es nicht noch einmal machen. Beim letzten Mal standen wir auf einem Kabelsalat von ca. 10 cm Höhe, so eng ist es da. Für fünf Tage mag das mal angehen, für eine Zwei-Wochen-Produktion jedoch nicht. Außerdem ist das antike Stromnetz des Hauses manchmal ein wenig launisch, und Knackser auf den Aufnahmen braucht kein Mensch.

Ein komplettes Studio zu mieten, hätte unser Vorab-Budget vollkommen gesprengt. Unser Freund und Produzent Ingo Vogelmann kam dann auf die geniale Idee, einfach irgendwo ein günstiges Ferienhaus zu finden, groß genug für das Studio-Equipment, die Instrumente und fünf Leute. Fünf? Der Filmemacher George P. Schnyder war auch dabei und hat den ganzen wilden Wahnsinn dokumentiert. :-)

Auf Rømø fanden wir das ideale Haus, reetgedeckt, mit einem (leider verstimmten) Flügel, der aber trotzdem in den Pausen häufig zu Ehren kam. Mit Kühen vor der Türe. Es gibt nichts Beruhigenderes als das Beobachten von Kühen! Balsam für Musiker_innen-Nerven!

Ja, und der Westwind begrüßte uns gleich bei der Ankunft, wehte um’s Haus, steigerte sich gar zum Sturm, spielte Haarstylist bei unserer Fotosession am Strand. Er erzählte von der Weite der Nordsee, vom Heben und Senken ihrer Wellen. Und an einem Tag wehte er so heftig, daß wir keine Gesangsaufnahmen machen konnten, weil er im Kamin so laut heulte. Darum beschlossen wir, unsere neue CD nach ihm zu benennen.

Fotos machen -  20130515

Nun ist es Winter, unser Produzent ist auf die Philippinen gezogen, sein Studio schippert noch in einem Containerschiff über alle sieben Meere, aber er hat bereits einen Ort dafür gefunden. Und was für einen!

Wir freuen uns über die technischen Möglichkeiten, die uns in Kontakt bleiben lassen, die es ermöglichen, riesige Datenmengen rund um den Globus zu schicken, und in Echtzeit an unseren Leben hier wie dort Anteil zu nehmen.

So war es dann auch mit dem Taifun Haiyan. Ingo lebt in Manila, weit weg von den betroffenen Gebieten. Aber er hat uns erzählt, wie auch bei ihm daheim die Fenster pumpten und alle Angst hatten, sie könnten bersten.
Und als der Sturm vorüber war, wurde schnell klar, was für eine Verwüstung er hinterlassen hatte. Eine Katastrophe!

Wir standen just an dem Tag in den Startlöchern für das Crowdfunding unserer CD. Und entschieden spontan, fünf Prozent der Erträge an ein Hilfsprojekt auf den Philippinen zu spenden. Ingo kennt die Leute persönlich. Sie haben ein Öko-Reiseunternehmen und helfe jetzt den Betroffenen in der abgelegene Region von Nord-Palawan, um die sich bis jetzt weder die Medien noch die großen Hilfsorganisationen sonderlich kümmern. Innerhalb weniger Stunden wurde eine Hilfsaktion aus dem Boden gestampft und die ersten Güter (Nahrung und Medizin) in den Norden geschafft. Lange, bevor die offzielle Hilfe angelaufen war. Und es geht weiter.
Die Schäden sind nämlich so massiv, daß noch monatelang Hilfe benötigt wird, so daß unser Beitrag auch im Februar, wenn das Crowdfunding zu Ende ist, sehr willkommen sein wird.

Zum Crowdfunding geht es hier.

Es ist ganz einfach: Registrieren, aussuchen, was Ihr haben wollt, fertig. Wenn wir unser Ziel erreichen, bekommt Ihr Eure Leckerli und natürlich immer auch den Download! Und wenn nicht, dann passiert – leider – gar nix.

Wir haben diesmal auch wunderschöne Kalender im Programm, und das Besondere dabei ist, daß wir das Risiko auf uns nehmen, sie bereits vor Ende des Crowdfundings zu verschicken, weil es ja wenig Sinn ergibt, sie erst im Februar an die Wand zu hängen. ;-) Die Kalender sind voller wunderschöner Landschafts- und Naturbilder mit schönen Sprüchen aus unseren Liedern und daher auch ein tolles Geschenk.

20131030 150208 1

Wir hoffen also sehr, daß das auch alles klappt und wir die volle Summe zusammenbekommen. Mindestens. Lieber noch mehr. Denn der Grundbetrag deckt gerade einmal sehr knapp die CD-Kosten; wir möchten diesmal aber wirklich mehr für Euch machen, z. B. ein Release-Konzert mit Party. Das wird aber nur gehen, wenn wir die 100 % deutlich überschreiten. Es wird dann auch noch ein paar zusätzliche “Leckerli-Überraschungen” geben; behaltet die Crowdfunding-Seite also einfach im Auge.

DANKE für Eure Unterstützung.

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Jenseits des dualen Systems, oder: Triquetrische Gedanken

Triquetra 01
Wir haben gelernt, linear und dual zu denken.

Linear, wie die Zeitschiene verläuft, die wir alle im Kopf haben, wenn wir an „Geschichte“ denken. An damals und heute. An Epochen. An Ursache und Wirkung in ihrer unerbittlichen Konsequenz.

Dual, wie wir unterscheiden – und damit scheiden – zwischen gut und böse, richtig und falsch.

Das lineare und duale Denken kann zum Werkzeug hierarchischer Macht werden. Den Subjekten dieser Macht wird die scheinbare Wahl gelassen zwischen Entweder und Oder, oft jedoch nur zwischen Skylla und Charybdis, zwischen Teufel und Beelzebub, zwischen Alternativen, die keine mehr sind, weil sie nichts anderes zulassen.

Es gibt natürlich Gegebenheiten, wo tatsächlich nur zwei vorhandene Möglichkeiten existieren. Sie sind aber höchst selten, verglichen mit der Anzahl an Entscheidungssituationen in denen uns dies als „alternativlos“ vorgegaukelt wird.

Das Symbol der Triquetra lehrt uns, dass es in den meisten Fällen mindestens drei mögliche Wege gibt, oft sogar mehr. Dass es nicht immer „entweder-oder“ heißen muss, sondern dass auch das „sowohl-als-auch“ offensteht. Oder etwas ganz anderes.

Machtsysteme vertreten den Anspruch alleiniger Wahrheit. Diese verleiht scheinbare Sicherheit, sofern man sie annimmt, verinnerlicht oder auch nur grollend akzeptiert.

Freiheitsstrukturen erkennen, dass es die Wahrheit nur im Plural gibt. Und dass niemand die eigene Wahrheit verliert, wenn auch die der anderen gelten darf. Hier wirkt Ermächtigung zum Eigenen statt Macht über andere.

Werte und Normen können Instrumente des dualen Systems, aber auch der triquetrischen Struktur sein.

Im dualen System werden sie eingesetzt, um Menschen unter Kontrolle zu halten. Das muss sich für die Betroffenen nicht negativ anfühlen, und es muss auch denjenigen, die die Kontrolle ausüben, nicht notwendigerweise bewusst sein.

Unbehagen mit den übernommenen Werten führt innerhalb des dualen Systems zu Selbstbeschneidung und Resignation, eine Haltung, die dann wiederum unbewusst an andere weitergegeben wird. So erhalten sich längst überholte Gesellschaftsnormen ebenso wie Ausgrenzung und Furcht vor denjenigen, die – auf welche Weise auch immer – anders sind. So entsteht religiöse, soziale, wirtschaftliche Unterdrückung.

Werte und Normen in der triquetrischen Struktur wachsen aus bewusstem Konsens, im Innen wie im Außen. Sie sind daher situationsbedingt. Ihre Grenzen finden sie von selbst dort, wo sie übergriffig und schädlich für andere würden. „Ama et fac quod vis“ (Liebe, und tu was du willst) kann als kategorischer Imperativ dieses Denkens und Handelns gelten.

Aus dem Entweder-Oder führt das Ganz-Andere oder aber der konsens-geborene Kompromiss.

„Faule Kompromisse“ entstehen im dualen System, wo ein Abweichen vom eigentlichen Ziel als Verlust oder Versagen gewertet wird.
Freie Kompromisse entstehen in einem Prozess, in dem beide Seiten einander entgegenkommen und aus zwei scheinbar unerbittlichen Gegensätzen etwas ganz Neues entsteht. Freie Kompromisse haben nicht den Anspruch, perfekt zu sein, sondern freuen sich, so gut wie möglich auszufallen.

Lineare Wahrnehmungen verabsolutieren das Kausalitätsprinzip. Daraus entsteht in der Paarung mit dualistischen Werten unweigerlich das Konzept von Schuld.

Zirkulare Wahrnehmung, spiralige Wahrnehmung erlebt Konsequenz als Verantwortung. Die Spirale kehrt an denselben Punkt zurück, jedoch auf einer anderen Ebene. Es gibt zweite Chancen. Es gibt die Möglichkeit, etwas besser zu machen, selbst wenn man nicht alles wieder gut machen kann.
Ursache und Wirkung haben oft mehrere Ebenen, die von den Beteiligten nicht alle wahrgenommen werden können, zumindest nicht im aktuellen Geschehen. Die drückende Bürde der Schuld weicht der befreienden Aufgabe, die Chancen der Gegenwart zu ergreifen.

Wir haben gelernt, linear und dual zu denken. Sich ein anderes Denken zu gestatten, ist eine tiefe, befreiende, natürlich auch verunsichernde, aber vor allem öffnende und erweiternde Erfahrung.
Linearität und Dualität sind an sich weder schlecht noch falsch – es gibt Orte, Zeiten und Gegebenheiten, wo sie nützliche Wege für Wahrnehmung und Verständnis unserer Welt und unseres Seins sind. Es geht nicht darum, eine Norm durch eine andere zu ersetzen. Sondern die Zwangsnormierung an sich zu überwinden.

Wir haben gelernt, linear und dual zu denken. Wir lernen, triquetrisch zu denken. Wir werden lernen, noch ganz anders zu denken und zu handeln. Denn es gibt meist mehr als zwei oder drei Möglichkeiten …

Triquetra 02

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Musik und Politik

Die Band “Schandmaul” schreibt auf Facebook einen offenen Brief gegen Nazis, die auf den Bandplattformen rechtsextremen Kram absondern. So weit, so prima. Dann aber wird’s gemischt:

“Ist es politisch, wenn sich eine Band von Gedankengut abgrenzt, das nichts mit ihren Grundvorstellungen zu tun hat? Wohl eher nicht. (…) Wir sind Musiker, unser Geschäft ist bestimmt nicht Politik.”

Hier wird “Politik” viel zu eng gefaßt, mit “Parteipolitik” gleichgesetzt, und eine Abgrenzung vorgenommen, die bereits seit vielen Jahren einen Großteil unserer aktuellen Zeitkultur zu Irrelevanz und Wirkungslosigkeit verkleinert hat. “Politisch” bedeutet nämlich NICHT das Wedeln mit Parteibüchern und das fanatische Verkünden von wie auch immer gearteter Propaganda. Es bedeutet vielmehr Wachheit gegenüber der Umgebungswelt und die Bereitschaft, sich aktiv einzubringen. Das gilt meines Erachtens insbesondere für Künstlerinnen und Künstler und ist überhaupt kein Widerspruch zu Spaß und Unterhaltung, im Gegenteil.

Solange der Begriff “Politik” aber zum Unwort stilisiert wird, kann und wird sich nichts ändern, denn da hängt der Begriff “Gesellschaft” nämlich gleich untrennbar mit dran. Dann bleibt eben alles hübsch machtlos und leicht beeinflußbar, was ja diversen Lobbyisten aller Arten und Spektren nur recht sein kann. In einer solchen Welt ist Kunst aber nichts weiter als Dekoration.

Wir Singvøgel verstanden uns von Anfang an als “politisch” im Sinne dieser gesellschaftlichen Verankerung und Verantwortung, denn die Menschenrechte gibt’s nicht automatisch und schon immer und ewig, und wenn wir sie besingen, manchmal ganz beiläufig, dann erinnern wir genau daran. Was Sven schon vor Monaten in unserem Weblog schrieb, gilt folglich immer noch, und mehr denn je.

“Welche Existenzberechtigung hat eine “Kultur”, wenn sie nichts mehr bewegen will, keine Diskussionen mehr eröffnet, keine Reaktionen mehr provoziert?”

Ich freue mich sehr über Schandmauls klare Abgrenzung gegenüber rechtem Denken und Handeln, aber ich würde mich noch viel mehr freuen, wenn die Band (und viele andere!) sich den zu Unrecht verfemten Politikbegriff endlich wieder mutig aneignete. Schandmaul hat über 144.000 Facebook-Fans. Die werden gut unterhalten, die werden aber auch bewegt, berührt, sie finden in der Musik etwas, das sie als Menschen bestätigt, ihnen Kraft gibt, sie bei allem Spaß auch zum Nachdenken bringt, denn, hey, die Band singt auf Deutsch und nicht nur “Lalala”.

Wir können uns nicht raushalten. Niemand kann das. Jedes Handeln, das irgendwie auf die Gesellschaft einwirkt, also sogar das resignierte Versacken vor dem Fernseher, ist ein politisches Statement, eine politische Handlung. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt auf dem Weg aus der gefühlten Machtlosigkeit und in das Bewußtsein der eigenen Kraft und Verantwortung.

Ich bin Musikerin und mein Geschäft ist (auch) die Politik. Weil ich nun mal in dieser Gesellschaft, diesem Gefüge, dieser mittlerweile so weit vernetzten Welt, lebe und auch leben will. In Freiheit und Gemeinschaftlichkeit.

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Walk your talk

Please meet Davide Martello. You may have heard of him already; he became world-famous as the pianist of Taksim Square in Turkey, who, with his music, made peace for a couple of evenings before the police finally went berserk.

The media reported about him all over the world, his Facebook page gained more than 14.600 followers to date, and when he got in serious trouble during the police-induced riots in Istanbul, many people expressed their concern.

A few days previous to this, Davide had launched his crowdsourcing campaign Klavierkunst for peace, intended to enable him to have his own music label to promote his art as well as that of like-minded others.

This project has raised €682 until today, contributed by 33 people.

Yes, this is correct.

33 people.

€ 682 of a target sum of €30.000, which may sound like a fortune, but believe me, it is not – producing and publishing and most of all promoting music is still very expensive, even if you are able to do a large amount of the work yourself.

Something is terribly wrong here.

Hello, Facebook folks, you like Davides page, you love his work and yet you do not react when he needs your help for the next steps of his journey! The minimum contribution is five Euro.

It is so easy to be inspired, so easy to be moved to tears by a song or a melody, so easy to click a page, even to write a few words. Why is it so difficult to open one’s purse?

Fame does not necessarily come with money. Not any more.

If music in the internet or music on the streets is provided “for free”, it does not mean that the artist has no expenses.

Davide is a visionary. He firmly believes in peace and understanding. He walks his talk.

After having pressed Davide’s “like” button, will you do the same, Facebook community?

*************************************

Darf ich vorstellen: Davide Martello. Vielleicht habt Ihr schon von ihm gehört. Der “Pianist vom Taksim Square” wurde in den letzten Tagen weltbekannt. Mit seiner Musik hat er es geschafft, einige Abende lang für Frieden zu sorgen, bevor die Polizei schlußendlich durchdrehte und durchgriff.

Überall auf der Welt berichteten die Medien über ihn; zum heutigen Tag hat er mehr als 14.600 Facebook-Fans, und als er während der Unruhen in Istanbul Schwierigkeiten mit der Polizei bekam, meldeten sich viele besorgte Stimmen.

Einige Tage vor diesen Ereignissen hatte Davide eine Crowdsourcing-Kampagne gestartet, Klavierkunst for peace. Er möchte sein eigenes Label gründen, für eigene Projekte ebenso für die Musik gleichgesinnter anderer Künstlerinnen und Künstler.

Die Kampagne hat bis heute €682 gesammelt, von 33 Unterstützerinnern und Unterstützern.

Ja, Ihr habt richtig gelesen.

33 Leute.

€ 682 von einer Zielsumme, die €30.000 Euro beträgt. Das klingt wie ein Vermögen, aber glaubt mir bitte, das ist es nicht – die Produktion und Veröffentlichung von Musik und vor allem die Werbung dafür, das alles ist immer noch sehr teuer, sogar wenn man einen Großteil der Arbeit selber machen kann.

Etwas läuft hier fürchterlich falsch.

Hallo Facebook-Fans, Euch gefällt Davides Seite, Ihr liebt, was er macht, und trotzdem reagiert Ihr nicht, wenn er für die nächsten Schritte seines Weges Eure Hilfe braucht! Die Mindestbeteiligung beträgt fünf Euro.

Es ist so leicht, von etwas begeistert zu sein, so leicht, von einem Lied oder einer Melodie zu Tränen gerührt zu werden, so leicht, eine Seite anzuklicken oder sogar ein paar Worte zu schreiben? Warum ist es so schwierig, das Portemonnaie aufzumachen?

Ruhm geht nicht zwingend Hand in Hand mit Geld. Nicht mehr.

Wenn Musik im Internet oder Straßenmusik “kostenlos” angeboten wird, heißt das nicht, daß die Kunstschaffenden keine Ausgaben dafür haben.

Davide ist ein Visionär. Er glaubt fest an Frieden und Verständigung. Er läßt seinen Worten Taten folgen.

Werdet Ihr das nach dem Klick auf Davides “Gefällt mir”-Knopf auch tun, Ihr Sympathisantinnen und Sympathisanten auf Facebook?

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Anders sein

In einigen Ecken des Internets ging es hoch her in der letzten Woche und ich habe das alles verpaßt. Aber den Ausgangspunkt, den habe ich mitbekommen: den Artikel einer Bloggerin, die sich spöttisch über Hochsensibilität als das Thema Hochbegabung ablösende „neue Epidemie unter Kindern“ ausließ, sich selbst als „hochnormal“ diagnostizierte – und in den Kommentaren zu ihrem Artikel beifallklatschende Zustimmung erntete. (Ich mag das hier nicht auch noch verlinken; wenn es Euch interessiert, findet Ihr es bestimmt.) Mir jedoch steckte beim Lesen (vor allem bei den teilweise hämetriefenden Kommentaren) ein dicker Kloß im Hals. Und es ist wohl endlich Zeit, dieses tiefschlafende Blog wieder aufzuwecken.

Zur Hochbegabung haben übrigens einige schon geschrieben. Erhellendes, Ehrliches, Berührendes. Danke dafür!

Ich kann mit Kategorisierungen generell nicht viel anfangen, doch manchmal sind sie einfach hilfreich, um Sachverhalte zu ordnen. Mich fasziniert menschliche Wahrnehmung samt ihren unterschiedlichen Varianten, auch die des daraus resultierenden Verhaltens. Abweichung von der Norm, also der zahlenmäßig größten Bevölkerungsgruppe, bedeutet keinesfalls automatisch „krankhaft“ und auch nicht „besser“ oder „schlechter“. Die Menschheit ist eine bunte Horde. Und jeder Mensch ist etwas Besonderes.

Schwierig wird es, wenn die Normgruppe die Variante, die Andersartigkeit ausgrenzt. Auch dies zwar ein grundmenschliches Verhalten, aber von fragwürdiger Motivation: dabei geht es meist um Macht über andere, um Deutungshoheiten, auch um bequeme Lösungen, um bessere Beherrschbarkeit derer, die ängstlich gemacht und klein gehalten werden …

Da ist es dann kein Wunder, wenn sich die Andersartigen selber kategorisieren, wenn sie gar ihre Andersartigkeit aufwerten zur kostbaren Besonderheit und sich selbst wiederum von der als „dumpfe Masse“ wahrgenommenen Norm abzugrenzen streben. Und manche fallen damit dann selbst in Extreme.

Wir sollten uns endlich mal klar machen, daß diese (Selbst-)Kategorisierung eine Reaktion ist – und bereits ein Fortschritt. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, in denen die meisten normabweichenden Kinder überhaupt keine Chance hatten, ihr Eigentliches zu leben, sondern im besten Fall ignoriert, im schlimmsten Fall gebrochen und in die Norm gezwungen wurden, oder, wenn sie denn „Zugeständnisse“ bekamen, dafür mit Einsamkeit und Ausgeschlossensein bezahlten.

Ich habe es als Kind und Jugendliche und teilweise auch noch im Erwachsenenalter am eigenen Leib und an der eigenen Seele erleben müssen, wie sensorische Phänomene wie extrem starke Schmerz-, Lärm- und generelle Reizempfindlichkeit als Schwäche, als „Mimosenhaftigkeit“ abgeurteilt wurden. Ergebnis: ein ständiger Zwang zu innerer und äußerer Abhärtung, die natürlich erfolglos bleiben mußte, weil sich die Wahrnehmungsrezeptoren nun einmal nicht ändern. Also Zähne zusammenbeißen. So tun als ob nichts wäre. Falls nötig, sich wortreich rechtfertigen. Erklärungen finden, die das Gegenüber versteht. Und manchmal hilft nur noch Rückzug.

Mit einer in der Kindheit aufgetretenen Inselbegabung hatte ich mehr Glück: meine wunderbare erste Grundschullehrerin akzeptierte mit allergrößter Selbstverständlichkeit, daß ich bereits seit Jahren fließend lesen konnte, als ich in die Schule kam. Ich durfte mich also aus der Schulbibliothek bedienen und fräste mich auf diese Weise in der Leselernzeit meiner Mitschülerinnen und Mitschüler durch eine stattliche Anzahl Bücher. Die Lehrerin arrangierte dies mit vollkommener Natürlichkeit, so daß auch die Klasse mein „punktuelles Anderssein“ als etwas hinnahm, das einfach so war und nichts Besonderes darstellte. Sehr wohltuend, für alle Beteiligten.

Kein Mensch kann sich das eigene Strickmuster aussuchen. Wir kommen auf die Welt mit allerlei Dispositionen, mit denen wir einfach leben müssen, auch wenn wir mit der einen oder anderen der gesellschaftlichen Norm nicht entsprechen. Aus den Schubladen (auch aus der Normschublade!) kommen wir alle nur raus, wenn wir endlich aufhören, andere Menschen (und uns selbst) festlegen zu wollen auf etwas, das sie nicht sind.

Das Extrem der Kategorisierungen ist wohl die Pathologisierung, beispielsweise beim Thema AD(H)S. Ich habe selbst schon etliche Kinder getroffen, die unter Ritalin gesetzt wurden, nur damit sie besser funktionierten. Damit wir uns nicht mißverstehen: es gibt Menschen, für die diese Medikation wirklich ein echter Segen ist und die erst dadurch überhaupt ihr Leben bewältigen können. Das ist aber eine ziemlich kleine Anzahl, verglichen mit denjenigen, die einfach aus Bequemlichkeit in diese Schublade gesteckt werden. Auch AD(H)S ist grundsätzlich eine Wahrnehmungs-Variante, die ca. 10 Prozent der Bevölkerung haben: deren Vorfahren waren wohl in der Steinzeit die Jäger und nicht die Ackerbauern. ;-) Denn das, was oberflächlich als Unaufmerksamkeit rüberkommt, hat eine Kehrseite: die Hyperfokussierung, die Eigenschaft, sich auf etwas, das einen interessiert (!) mit einer Tiefe und Ausdauer zu konzentrieren, die ein „Norm-Mensch“ nicht aufbringen kann, und die dazugehörigen Arbeiten in wahnwitzigem Tempo zu erledigen.

Weder die Pathologisierung noch die Selbstaufwertung sind gesunde Strategien. Gesund wäre der Blick für das Individuelle. Denn letztlich ist auch die Norm bloß eine Hilfsgröße, die übertüncht, daß doch in jedem Menschen das ganz Eigene steckt. Und auch das zutiefst Gemeinsame, bei aller Andersartigkeit. Der Schlüssel zu beidem ist die Empathie.

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