Age ain’t nothing but a number?
9. März, 2010 @ 22:39 | Kultur & Kontext |
Lieber Stefan Raab,
da der Tag nur eine begrenzte Anzahl von Stunden hat, sehe ich ziemlich wenig fern. Aber wenn da jemand wie Sie das notorische Musik-Casting-Show-Getue mal auf ganz neue Art aushebeln und besser machen will, dann schaue ich mir das natürlich an.
Musikalisch finde ich das sehr interessant, besonders weil einige KandidatInnen eher unbekannte oder sogar eigene Songs singen.
Und daß die Jury Stärken lobt und sich dumme Sprüche verkneift (bzw. halt einfach nicht dumm ist), ist natürlich auch erfrischend gut.
Aber eins fiel bzw. stieß mir von Anfang an auf: da stehen mal wieder ausschließlich Leute aus der Altersgruppe um die zwanzig auf der Bühne. Zu Anfang waren auch noch ein paar etwas Ältere dabei . Kandidaten über 40 aber gab es nicht - die wurden einzig als “humorvolle” Casting-Outtakes zur Volksbelustigung nach der Show vorgeführt.
Nachdem dann in der heutigen Show die Jurorin Barbara Schöneberger auch noch mit ihrem Alter zu kokettieren begann (”Die sind alle achtzehn und ich bin schon sechsunddreißig, buhuuu…”) frage ich mich allmählich, was das soll.
Ich halte es im Leben ganz bewußt und aktiv mit dem Spruch “Age ain’t nothing but a number”. Damit soll gemeint sein: sich selber und andere mit irgendwelchen an’s Alter gebundenen Normen einzuschränken, ist eine ziemlich schlechte Idee.
Und dann brauchen weder Jugendliche auf altklug, noch Ältere auf zwanghaft knackig zu machen. Weil nämlich das Wichtigste rüberkommt: Authentizität. Leidenschaft für das, was man tut. Egal in welchem Alter.
Es ist noch gar nicht lange her, da war das ganz anders. Und ich rede jetzt nicht von Urgroßmutters Zeiten. Noch vor ein paar Jahrzehnten wäre es total uncool gewesen, daß ein 15jähriger der Fan einer Band ist, deren Mitglieder um die 40 oder noch älter sind. Und ebenso unmöglich, daß sich Leute dieses Alters für “Jugendkultur” begeistern.
Heute sind wir da einen großen Schritt weiter.
Aber irgendwie dann halt wieder doch nicht.
Warum?
Ich ahne und befürchte Beschwichtigung: das sei ja reeeeeiner Zufall, daß bei USFO nur Youngsters im Rennen sind, es hat halt bei den anderen einfach nicht gereicht, usw. usf.
Tut mir leid, das nehme bzw. nähme ich Ihnen nicht ab.
Was wäre anders, wenn die Kandidatenschar nicht nur stilistisch, sondern auch altersmäßig bunt gemischt wäre? Hätte das Publikum dann ein Identifikationsproblem? Das glaube ich nicht - denn Ihre Rechnung, lieber Herr Raab, ging ja auf: diese Casting-Show ist wirklich “anders” und zieht demzufolge auch ein sehr gemischtes Publikum.
Oder hätte die Jury ein Autoritätsproblem? Das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.
Ich vermute also, daß da doch konzeptionelle oder kulturspezifische Gründe dahinterstecken, die sich meiner Kenntnis einfach entziehen.
Die würden mich sehr interessieren.
Es kann aber sein, daß sogar Sie sie mir nicht nennen könnten.
Denn es gibt auch unbewußte Konzepte, unbewußte Wahrnehmungen und Wertungen.
Da ich aber die Dinge gern bewußt wahrnehme, werde ich weiter schauen und rätseln. Und heute habe ich angefangen, ein Lied über das Altern zu schreiben; von daher hat die Sache zumindest ein Gutes bewirkt…
Kommentare (25)FAWM over!
5. März, 2010 @ 22:30 | FAWM, Liederschreibseln |
Und ich brauchte erst mal ein paar Tage, um das alles sacken zu lassen…
Eigentlich muß ich gar nichts mehr schreiben, denn Duke hat’s schon wunderbar gesagt.
Aber ich will. Denn es war in diesem Jahr ganz anders als im letzten. Da hatte ich mich nämlich die ganze Zeit gefragt, ob ich das wirklich schaffe - und es war, bei aller Freude, wahnsinnig anstrengend. In diesem Jahr habe ich mir erlaubt, zu spielen. Habe Songtexte für andere geschrieben. Habe bei irrwitzigen “challenges” mitgemacht und dabei gelernt, daß man Songs in einer Stunde schreiben kann, habe eine von insgesamt 56 Parodien fabriziert, eine Geschichte von Duke weitererzählt, mich aus Zeitmangel leider immer noch viel zu wenig im Forum und im Chat herumgetrieben, wo es immer sehr lustig ist, gleich zweifach über FAWM resümiert - und einen Haufen Spaß gehabt. Weil es mir gelungen ist, mir einerseits überhaupt keinen Druck zu machen, mich andererseits aber trotzdem richtig reinzuhängen.
Toll war’s! Und das Allertollste war natürlich, daß Duke mit dabei war und ganz zum Schluß sogar Sven noch mit eingestiegen ist, obwohl er eigentlich überhaupt keine Zeit dafür hatte. Aber das Leben ist nun mal uneigentlich.
Jetzt freue ich mich wie Bolle auf die “FAWM-Over-Party” in London, wo Sven und ich die Singvøgel würdig zu vertreten zu gedenken (Duke kann leider terminlich nicht, aber im nächsten Jahr wird er einfach chloroformiert und auf die Fähre gezerrt….)
Kommentare (4)Frédéric hat Geburtstag!
1. März, 2010 @ 22:20 | Allgemein, Persönliches |
So ganz jung ist er allerdings nicht mehr…. Und völlig sicher ist er sich über sein Geburtsdatum auch nicht, aber ein paar Tage rauf oder runter ist eigentlich egal…
Mit 15, 16 war ich schon schwer in ihn verliebt. So sehr, daß ich ihn richtig beeindrucken wollte. Und infolgedessen ziemlich exzessiv Klavier geübt habe.
Am liebsten höre ich jedoch anderen zu, die seine Stücke spielen. Hier war ich übrigens im Publikum. Und der Mann am Klavier war damals 84 Jahre alt. Umwerfend. Unvergeßlich.
Also, Frédéric, falls Du dies liest: Je t’aime pour toujours…
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