Karan

… supersonic butterfly

Die Macht der Gewalt

24. Juli, 2010 @ 12:03 | Öffentliche Ärgernisse |

Da marschieren die braunen Horden, da zittern die Demokraten, da splittern die Fensterscheiben von Läden, da fliegen Fäuste und Granaten, da stecken die politisch Verantwortlichen die Köpfe in den Sand.
Schnee von gestern?
Leider nicht.

Im Februar 2008 marschierten 100 Neonazis zum väterlichen Geschäft und warfen eine NVA-Blendgranate hinein. Die Täter waren nicht einmal maskiert. Die Polizei stand eine Straßenkreuzung davon entfernt und gab später vor Gericht an, sie hätten nur vier Menschen etwas tun sehen und den Rest für Passanten gehalten. Deshalb gab es später auch kein Urteil wegen Landfriedensbruchs – die Mitglieder des Nazimobs kamen ungestraft davon, die “vier Täter” konnten ebenfalls nicht zweifelsfrei ermittelt werden.

So geschehen in einem Ort in Sachsen, der sogar in dem Artikel in der ZEIT (bitte lesen!) ungenannt bleiben muß, weil die Bekanntmachung seines Namens die dort ansässigen Informanten nur noch mehr gefährden würde. So weit reicht sie also schon, die Macht der Gewalt.

Kopf schütteln und weiter im Text?
Schnell vergessen und verdrängen?
All dies facht die Flamme nur noch weiter an.

Weitersagen, weiterschreiben. Hinfahren, wenn möglich, und den Menschen dort, die von den zuständigen Instanzen vor Ort so schmählich allein gelassen werden, konkret zur Seite stehen.

XX hat nicht nur einen Namen. Sondern bereits etliche. Es ist ein Ort, es sind viele Orte in diesem Land. Wir gehören in’s Spiel.

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Held des Augenblicks

14. Juli, 2010 @ 07:35 | Kultur & Kontext, Liederschreibseln, Persönliches |

Ich kann es immer noch nicht so wirklich fassen.

Wir Singvøgel haben uns ja von Anfang an für das tolle Projekt “Krimi 2.0″ interessiert, das Michael Jäger in’s Leben gerufen hat. Darum wollten wir uns natürlich auch für den Titelsong bewerben. Der entstand sogar für unsere FAWM-erprobten Verhältnisse in Rekordzeit, ebenso wie die Aufnahme im Studio (ich glaube, das war die schweißtreibendste Session, die wir je hatten ;-) ).

Nur mußte für die Bewerbung natürlich auch ein Video her. Das stellte uns vor ziemliche Probleme. Wir hatten weder die Zeit noch die Ressourcen, selber etwas zu produzieren und hatten uns bereits leicht frustriert darauf eingestellt, uns mit ein paar zu einer Diashow zusammengebauten Fotos zu begnügen, da entstieg den unendlichen Weiten des Internets der Alex und verwies uns an einen Filmemacher, mit dem er selbst schon zusammengearbeitet hat: George P. Schnyder.

“Oha”, dachte ich mir, “der kann was. Das wird bestimmt teuer. Und wir haben ja noch nicht mal die Finanzierung für unsere fast fertige neue CD in trockenen Tüchern.”

Was wir da noch nicht wußten: George ist ein Enthusiast. Wenn ihm was gefällt, dann macht er das. Mit voller Kraft und ohne Wenn und Aber. Zudem hatte die Gunst der Stunde unseren Auftritt beim Friedensfest in Iserlohn zeitlich und vor allem örtlich derartig günstig gelegt, daß er ihn filmen konnte.

Doch damit nicht genug: George steht ja nicht nur hinter der Kamera, sondern ist selber Produzent. Weshalb sich in seinem Kopfkino auch sogleich eine Story zum Song entspann. Und weil er sowieso gerade bei einem Online-Filmprojekt, “Julia & Julia” mitwirkt (auf das ich schon riesig gespannt bin), hatte er über die Agentur “Cast My Life” auch eine ganze Riege junger, hochmotivierter Schauspieler an der Hand, die ebenfalls mitmachten. Einfach so, mit tollem Engagement.

Der Tag in Iserlohn verging wie im Flug, und ehe ich so richtig zu mir kam, waren unsere Parts im Kasten. Dann wurden noch in Windeseile die Schauspiel-Szenen produziert. Und ich habe so das Gefühl, daß der gute George ein paar Nächte lang überhaupt nicht ins Bett gekommen ist, denn gestern abend war das Ding bereits fertig.

Leute, Ihr seid alle großartig!!!

Und mir wird immer stärker bewußt, daß dieses Netz etwas bewegt. Im realen Leben, nicht nur auf irgendwelchen Monitoren. Da treffen sich Menschen, die sich sonst nie begegnet wären. Da werden Dinge möglich, die sonst Träume geblieben wären. Da verbinden sich kreative Kräfte zu etwas ganz Neuem. Und da haben die Singvøgel auf einmal ein professionelles Musikvideo. ;-)

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