Aus aktuellem Anlaß
12. November, 2008 @ 16:53 | Öffentliche Ärgernisse |
Man sollte erwarten, daß im Volk ein Aufschrei des Entsetzens erfolge vor der Möglichkeit, daß man es seiner Freiheit und seiner Möglichkeiten berauben könnte, und daß Politiker, selber verkehrt durch ihren bloßen Betrieb, sich ahnungslos den Gewaltmenschen anschließen, um das Werkzeug zu schaffen für den Freiheitsmord. Niemand wird sagen dürfen, man habe die Folgen nicht gewußt oder nicht wissen können. (…)
Unsere Staatsstruktur beruht auf der Angst vor dem Volk, dem Mißtrauen gegen das Volk. Das Mißtrauen, zu dem umgekehrt vorläufig noch das Volk gegenüber Parteien, Regierung und Politikern verpflichtet wäre, gibt sich nicht genügend und nicht wirksam kund.
(Karl Jaspers, 2. Mai 1966)
 
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November 12th, 2008 at 17:40
Bei all den Begriffsempfindlichkeiten, die im Laufe der Jahrzehnte geschaffen wurden durch die Form des… ja wie zum Geier nennt man das denn nun eigentlich?… In der psychatrischen Lehre gibt es den Begriff des Wortneogolysmus (Wortneubildung) als Krankheitsbeschreibung, doch was hier stattfindet ist ja die umgekehrte Version: ohne Fremdwort: Wertneubildung. Begriffe werden durch den Wert umdefiniert und so bestimmte “Aussagen” ausgegrenzt.
Beispiel gefällig? :
“Nationalstolz”
“Volk”
“Manipulation”
“Vaterland”
Wer benutzt denn heute noch diese Begriffe UND passt da nicht besonderst stark auf, daß man das bloß nicht falsch verstehen kann? (So kann man Kritik auch langfristig töten, indem man das Volk erzieht besonderst langatmig “rechtfertigend” wird und so die Botschaft nicht mehr schnell verbreitbar ist.
Also: Wie heißt das Wort nun? *grübel*
Na jedenfalls ist das MIT ein Grund (in meinen Augen), warum dieser Aufschrei so leicht “verhallt”
Sprache, Manipulation und Stilllegung.
Mist abgedriftet. Eigentlich wollte ich darauf hinaus, daß ich mal von einem Schweizer gelesen habe, der in den 60gern über die Verrohung der Sprache im Jornalismus und der “heutigen” Autoren klagte. Wenn Du magst such ich das mal raus.
Ansonsten: Damals wie heute: “Der deutsche Michel.” Große Klappe und wenig bis nichts dahinter.
Lass uns ne Lichterkette machen, dann fühlen wir uns besser und ertragen weiter.
November 12th, 2008 at 20:18
Karl Jaspers hatte damals, in der Zeit der 1. großen Koalition, als er sein Buch “Wohin treibt die Bundesrepublik?” schrieb, Recht. Es sah lange Zeit für mich so aus, als ob seine Analysen von damals durch die politische Entwicklung überholt seien.
Leider sind sie es nicht.
Wie damals ist die parlamentarische Demokratie in eine Parteienoligarchie umgekippt, sie ist auf dem Weg von der Parteioligarchie zum autoritären Staat, und von dem geht es dann weiter zum Diktaturstaat.
Und wie damals übt die SPD “Selbstverrat“.
November 12th, 2008 at 23:37
Die gräßlichen Details gibt’s übrigens auch schon, hier.
November 12th, 2008 at 23:42
Wieso gräßlich?
Abspeichern und Namen merken….man weiss nie wofür mans brauchen kann.
November 13th, 2008 at 00:07
“Gräßlich” finde ich keinesfalls die Tatsache, daß das online steht. Sondern das Ergebnis an sich.
Abgespeichert ist’s eh schon…