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Karan

… supersonic butterfly

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Held des Augenblicks

14. Juli, 2010 @ 07:35 | Kultur & Kontext, Liederschreibseln, Persönliches |

Ich kann es immer noch nicht so wirklich fassen.

Wir Singvøgel haben uns ja von Anfang an für das tolle Projekt “Krimi 2.0″ interessiert, das Michael Jäger in’s Leben gerufen hat. Darum wollten wir uns natürlich auch für den Titelsong bewerben. Der entstand sogar für unsere FAWM-erprobten Verhältnisse in Rekordzeit, ebenso wie die Aufnahme im Studio (ich glaube, das war die schweißtreibendste Session, die wir je hatten ;-) ).

Nur mußte für die Bewerbung natürlich auch ein Video her. Das stellte uns vor ziemliche Probleme. Wir hatten weder die Zeit noch die Ressourcen, selber etwas zu produzieren und hatten uns bereits leicht frustriert darauf eingestellt, uns mit ein paar zu einer Diashow zusammengebauten Fotos zu begnügen, da entstieg den unendlichen Weiten des Internets der Alex und verwies uns an einen Filmemacher, mit dem er selbst schon zusammengearbeitet hat: George P. Schnyder.

“Oha”, dachte ich mir, “der kann was. Das wird bestimmt teuer. Und wir haben ja noch nicht mal die Finanzierung für unsere fast fertige neue CD in trockenen Tüchern.”

Was wir da noch nicht wußten: George ist ein Enthusiast. Wenn ihm was gefällt, dann macht er das. Mit voller Kraft und ohne Wenn und Aber. Zudem hatte die Gunst der Stunde unseren Auftritt beim Friedensfest in Iserlohn zeitlich und vor allem örtlich derartig günstig gelegt, daß er ihn filmen konnte.

Doch damit nicht genug: George steht ja nicht nur hinter der Kamera, sondern ist selber Produzent. Weshalb sich in seinem Kopfkino auch sogleich eine Story zum Song entspann. Und weil er sowieso gerade bei einem Online-Filmprojekt, “Julia & Julia” mitwirkt (auf das ich schon riesig gespannt bin), hatte er über die Agentur “Cast My Life” auch eine ganze Riege junger, hochmotivierter Schauspieler an der Hand, die ebenfalls mitmachten. Einfach so, mit tollem Engagement.

Der Tag in Iserlohn verging wie im Flug, und ehe ich so richtig zu mir kam, waren unsere Parts im Kasten. Dann wurden noch in Windeseile die Schauspiel-Szenen produziert. Und ich habe so das Gefühl, daß der gute George ein paar Nächte lang überhaupt nicht ins Bett gekommen ist, denn gestern abend war das Ding bereits fertig.

Leute, Ihr seid alle großartig!!!

Und mir wird immer stärker bewußt, daß dieses Netz etwas bewegt. Im realen Leben, nicht nur auf irgendwelchen Monitoren. Da treffen sich Menschen, die sich sonst nie begegnet wären. Da werden Dinge möglich, die sonst Träume geblieben wären. Da verbinden sich kreative Kräfte zu etwas ganz Neuem. Und da haben die Singvøgel auf einmal ein professionelles Musikvideo. ;-)

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Und daß so was von so was kommt…

17. Juni, 2010 @ 14:03 | Kultur & Kontext |

Es fällt offenbar vielen immer schwerer, die Sachebene von der Personenebene zu trennen. Die Unsitte, eine Person (oft eine des öffentlichen Lebens, die man überhaupt nicht kennt) mit dem zu verwechseln, was sie von sich gibt (an künstlerischen oder auch politischen Äußerungen) und dann mit “XX ist sch…” oder Schlimmerem zu reagieren, ist mittlerweile ziemlich stark verbreitet.

Heranwachsenden mag eine solche Pauschalierung ja vielleicht noch nachzusehen sein - von Erwachsenen, noch dazu intelligenzbegabten, ist, so denke ich, schon eine differenziertere Betrachtung zu erwarten - oder zumindest ein “Das Lied, das XX singt, FINDE ich doof” oder “ist nicht MEIN Ding”.

Was ich aber derzeit beobachte, sind ganze Web-Communities bzw. Gruppen, deren einziger Inhalt darin besteht, über irgendjemanden ad personam herzuziehen, noch dazu in verletzendster, abwertendster und gehässigster Art - nur, weil dieser Jemand ein Lied singt, das einem nicht gefällt.

Solche mob-artigen Phänomene irritieren mich nicht nur, ich fühle mich davon bedroht. Denn was anderen passiert, kann auch jederzeit mir widerfahren - falls wir Singvøgel mal durch irgendwelche Umstände sehr erfolgreich und in sämtlichen Radiostationen rauf und runter gedudelt werden…

Was steckt eigentlich hinter so viel Haß und Mißgunst?
Wohl doch wieder der Neid, wie ich schon kürzlich in meiner Betrachtung über Kritikaster feststellen mußte.
Aber auch eine Unfähigkeit (oder gar ein Unwille), überhaupt noch zu reflektieren. Die eigenen Reaktionen auf ihre inneren Motivationen hin zu untersuchen.

Ich befürchte allerdings, an der Wurzel all dessen liegt oft ein immenser Mangel an Empathie. Der sich in unserer Zeit tendenziell auf allen gesellschaftlichen Ebenen immer stärker breitmacht. Und dahinter wiederum erahne ich ein gerüttelt Maß an (Existenz-)Angst.

Mir wird bei alledem ein wenig flau, weil ich mich entsinne, daß ähnliche Tendenzen schon einmal da waren und sich verheerend zusammengeballt haben: zu Totalitarismus und Gewalt. Denn das ist der ideale Nährboden für die Macht des Mobs, für Hexenverbrennungen (im realen wie übertragenen Sinn) und für Jubel über Fragen nach totalen Kriegen oder Ähnlichem.

“Und daß so was von so was kommt…”, sang einst eine (ebenfalls vielgeschmähte) Kollegin.

Wach bleiben.

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Künstler müssen leiden???

8. Juni, 2010 @ 12:07 | Kultur & Kontext, Öffentliche Ärgernisse |

So ein gequirlter Unsinn! Und dann noch aus dem Mund von jemandem, der es eigentlich besser wissen müßte. Antoni Porcak, der stellvertretende Direktor der Krakauer Kunstakademie, behauptet allen Ernstes:

“Je mehr der Künstler leidet, desto besser das Produkt.”

Ich finde es ungeheuerlich, daß sogar ein Kunstpädagoge den üblen Mythos vom gequälten Künstler weiterverbreitet, noch dazu mit einer solch tiefen Überzeugung. Desweiteren pflegt er übrigens die Attitüde, seine Akademie unterrichte nur aus Traditionsgründen immer noch weitgehend “veraltete” Methoden wie beispielsweise die Malerei; die Zukunft liege ja sowieso beim Event und die neuen Techniken und Technologien seien den alten “in Sachen Direktheit in jeglicher Hinsicht überlegen”.

Der zweite bedenkliche Aspekt in Porcaks Betrachtungen ist die weitgehende Reduzierung von Kunst auf Auftrags- und Eventprodukte.
Auftragskunst hat es immer gegeben, wird es immer geben, das ist auch nichts ehrenrühriges - problematisch wird es aber dann, wenn NUR NOCH Auftragskunst existiert bzw. existieren kann, weil die Kunst als freie und auch kritische Stimme einer Gesellschaft nicht mehr von dieser gewürdigt und gestützt wird. Eine der größten weltgeschichtlichen Errungenschaften, die zu verschiedenen Epochen immer wieder stattfindet, bzw. erkämpft wird, ist die der Kunstfreiheit. Wir befinden uns da gerade wieder in einer reaktionären Bewegung, wo das Kunstwerk immer mehr zum reinen Handelsobjekt entstellt und der Künstler zum Geschäftsmann umerzogen wird.

Eine freie Kunst ist etwas, das sich eine Gesellschaft leisten will - oder eben nicht. Und damit meine ich gar nicht in erster Linie und ausschließlich den finanziellen Aspekt - was staatlicherseits in Kunstförderung investiert wird, war und ist stets “Peanuts” im Vergleich mit anderen, oft zweifelhaften ökonomischen Subventionen. Außerdem läuft der größte Teil der Kulturförderung schon lange unter dem Mantel (und aus den Töpfen) der Jugendförderung, das ist ebenfalls eine fragwürdige Sache, aber wäre noch mal ein eigenes Thema.

Daß kaum noch Künstler von ihrer Kunst leben können, ist also ein soziopolitisches Problem, das keinesfalls eine Folge der aktuellen wirtschaftlichen Krise, sondern langfristig gewachsen ist bzw. erschaffen wurde.

Lösbar ist dies nur, wenn die Gesamtgesellschaft etwas vollzieht, das bei vielen anderen Themen derzeit allenthalben beschworen wird: einen Paradigmenwechsel. Da dieser aber politisch gar nicht gewünscht ist, sondern meiner Meinung nach sogar hintertrieben wird, kann er also nur “von unten” her entstehen, als Graswurzelbewegung, in Vernetzung der Kunstschaffenden (aller Sparten) und ihres Publikums.

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Das Gift des Neides und die Stärke der Stärken

5. Juni, 2010 @ 19:28 | Kultur & Kontext |

Mit Kritikastertum kann ich nichts anfangen. Das hängt bestimmt damit zusammen, daß ich einige Jahre in England gelebt habe und mir dort das Glück widerfuhr, an einem College zu landen, an dem es Usus war, die Stärken zu stärken und nicht durch überflüssiges Herumbohren in vorhandenen Schwächen dieselben nur noch schlimmer zu machen. Außerdem habe ich dort gelernt, daß die Geschmäcker nun mal verschieden sind und die bunte Vielfalt der Kunst (wie des Lebens) überhaupt erst den Reiz des Ganzen ausmacht.

Ich habe also massive Probleme mit der hier in Deutschland weitverbreiteten Neigung, irgendwelche künstlerischen Äußerungen so richtig lautstark und öffentlich scheiße zu finden, gerne auch verbunden mit Haßtiraden auf die Protagonisten. Wohlgemerkt: auch ich finde so manche künstlerischen Produkte nicht schön, einige auch unterirdisch schlecht. In den meisten Fällen denke ich dann, “gefällt mir nicht” und wende mich einfach ab, vergesse es. Damit ist keine Emotion verknüpft. Aber es gibt andere Situationen, und da ist es, als ob jemand bei mir einen Knopf drückt. Und diese Reaktion hat Hintergründe, die haben aber viel mehr mit mir selber zu tun als mit dem Objekt meiner Abneigung.

Ich habe gemerkt, daß ich oft, wenn mir etwas als allzu banal, zu schlecht oder schlicht zu doof aufstößt und ich mich darüber ausdauernd und laut aufregen möchte, einfach neidisch bin. Darauf, daß dieses Stück im Radio gespielt wird und meine eigenen Sachen nicht. Darauf, daß jemand mit “diesem Kram” Erfolg hat, auch finanziellen, während wir Singvøgel nicht wissen, ob wir unsere fast fertige CD überhaupt pressen lassen können.
Hinter dem Neid lauert dann gerne die Verzweiflung. Und die Mutlosigkeit. Und etliche andere Gesellen, von deren Gesellschaft ich mich lieber fernhalte, weil sie die größten kreativen Spaßbremsen sind, die ich kenne. Außerdem habe ich den Verdacht, daß ich, wenn ich anderen ihren Erfolg nicht gönnen kann, meinen eigenen auch nicht annehmen könnte, so er denn eintritt…

Wie funktioniert konstruktive Kritik? Durch Benennung und Förderung der Stärken. Wenn mir etwas gefällt, dann bringe ich das zum Ausdruck. Klar und deutlich.
Damit ist übrigens nicht “schönreden” oder ein Mangel an Ehrlichkeit gemeint. Ein Beispiel: Jemand ist ein wahnsinnig toller Sänger. Wenn er sich dann darüber freut, daß ich ihm das mitgeteilt habe, und wissen will ob er noch irgendwas verbessern kann, dann kann ich ihm sagen, daß er z. B. an seiner Rhythmusgenauigkeit noch etwas arbeiten könnte. Zu diesem Zeitpunkt und in diesem Zusammenhang ist es dann ok. Die falsche Reihenfolge wäre: “Wenn du sauber im Rhythmus bleiben würdest, dann wärst du ein richtig guter Sänger”. Weil damit das Gute von vorneherein negiert würde.

Übrigens ist es in der Regel so - im künstlerischen Bereich wie in allen anderen auch -, daß man selber mit schmerzhafter Genauigkeit weiß, wo die eigenen Schwächen liegen und wo man Fehler macht. Aber es ist wahnsinnig schwer, zu erkennen, was gut ist und wo die Stärken sitzen. Erst, wenn man dieses oft und nachdrücklich genug gesagt und vermittelt bekommt, kann man damit auch wirksam arbeiten.

Irgendwo habe ich mal gelesen: “Stärken stärken heißt Schwächen schwächen.” Energie folgt der Aufmerksamkeit. Ich habe keine Ahnung von Physik, aber das könnte tatsächlich ein kosmisches Gesetz sein. ;-)

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Age ain’t nothing but a number?

9. März, 2010 @ 22:39 | Kultur & Kontext |

Lieber Stefan Raab,

da der Tag nur eine begrenzte Anzahl von Stunden hat, sehe ich ziemlich wenig fern. Aber wenn da jemand wie Sie das notorische Musik-Casting-Show-Getue mal auf ganz neue Art aushebeln und besser machen will, dann schaue ich mir das natürlich an.

Musikalisch finde ich das sehr interessant, besonders weil einige KandidatInnen eher unbekannte oder sogar eigene Songs singen.

Und daß die Jury Stärken lobt und sich dumme Sprüche verkneift (bzw. halt einfach nicht dumm ist), ist natürlich auch erfrischend gut.

Aber eins fiel bzw. stieß mir von Anfang an auf: da stehen mal wieder ausschließlich Leute aus der Altersgruppe um die zwanzig auf der Bühne. Zu Anfang waren auch noch ein paar etwas Ältere dabei . Kandidaten über 40 aber gab es nicht - die wurden einzig als “humorvolle” Casting-Outtakes zur Volksbelustigung nach der Show vorgeführt.

Nachdem dann in der heutigen Show die Jurorin Barbara Schöneberger auch noch mit ihrem Alter zu kokettieren begann (”Die sind alle achtzehn und ich bin schon sechsunddreißig, buhuuu…”) frage ich mich allmählich, was das soll.

Ich halte es im Leben ganz bewußt und aktiv mit dem Spruch “Age ain’t nothing but a number”. Damit soll gemeint sein: sich selber und andere mit irgendwelchen an’s Alter gebundenen Normen einzuschränken, ist eine ziemlich schlechte Idee.

Und dann brauchen weder Jugendliche auf altklug, noch Ältere auf zwanghaft knackig zu machen. Weil nämlich das Wichtigste rüberkommt: Authentizität. Leidenschaft für das, was man tut. Egal in welchem Alter.

Es ist noch gar nicht lange her, da war das ganz anders. Und ich rede jetzt nicht von Urgroßmutters Zeiten. Noch vor ein paar Jahrzehnten wäre es total uncool gewesen, daß ein 15jähriger der Fan einer Band ist, deren Mitglieder um die 40 oder noch älter sind. Und ebenso unmöglich, daß sich Leute dieses Alters für “Jugendkultur” begeistern.
Heute sind wir da einen großen Schritt weiter.

Aber irgendwie dann halt wieder doch nicht.

Warum?

Ich ahne und befürchte Beschwichtigung: das sei ja reeeeeiner Zufall, daß bei USFO nur Youngsters im Rennen sind, es hat halt bei den anderen einfach nicht gereicht, usw. usf.

Tut mir leid, das nehme bzw. nähme ich Ihnen nicht ab. ;-)

Was wäre anders, wenn die Kandidatenschar nicht nur stilistisch, sondern auch altersmäßig bunt gemischt wäre? Hätte das Publikum dann ein Identifikationsproblem? Das glaube ich nicht - denn Ihre Rechnung, lieber Herr Raab, ging ja auf: diese Casting-Show ist wirklich “anders” und zieht demzufolge auch ein sehr gemischtes Publikum.

Oder hätte die Jury ein Autoritätsproblem? Das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

Ich vermute also, daß da doch konzeptionelle oder kulturspezifische Gründe dahinterstecken, die sich meiner Kenntnis einfach entziehen.

Die würden mich sehr interessieren.
Es kann aber sein, daß sogar Sie sie mir nicht nennen könnten.
Denn es gibt auch unbewußte Konzepte, unbewußte Wahrnehmungen und Wertungen.

Da ich aber die Dinge gern bewußt wahrnehme, werde ich weiter schauen und rätseln. Und heute habe ich angefangen, ein Lied über das Altern zu schreiben; von daher hat die Sache zumindest ein Gutes bewirkt…

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Alles nur kopiert?

14. Februar, 2010 @ 15:56 | Kultur & Kontext, Liederschreibseln, Öffentliche Ärgernisse |

Es gibt nur zwölf Töne.
Es gibt nur 26 Buchstaben.
(Zumindest hier in unserem hiesigen westeuropäischen Kulturkontext. ;-) )

Was also ist Originalität?

Das ganz Neue, nie zuvor Dagewesene?
Das völlig Unerwartete, jeglichen Rahmen Sprengende?

Solches existiert, aber es ist rar - und auch nicht unbedingt entscheidend originell.

Originell wird ein Kunstwerk, indem es das Eigene sagt. Berührend wird ein Kunstwerk, indem es denjenigen, der es wahrnimmt, an sein Eigenes erinnert. Wir sind alle Individuen (auch wenn manche “ich nicht” schreien ;-) ). Und wir teilen gleichzeitig unsere menschlichen Grundstrukturen, auch die kulturellen.

Inspiration ist nicht nur natürlicher Teil, sondern Voraussetzung jeglichen kreativen Ausdrucks. Wir stehen auf den Schultern unserer Ahnen.

Hätte Rainer Maria Rilke nicht gelebt, gäbe es wahrscheinlich kein einziges meiner Gedichte, zumindest nicht in dieser Form. Denn Rilke hat mich zutiefst inspiriert. An seinen Versmaßen, seinen Wortfindungen habe ich mich geschult. Über lange Jahre, bevor ich überhaupt selber eine Silbe auf das Papier brachte.

In der klassischen Musik gibt es eine wunderbare Form, “Variationen über ein Thema von…” Hier wird ein musikalisches Motiv eines anderen Komponisten aufgegriffen, variiert, in einen völlig anderen Zusammenhang gebracht. Immer ist dabei der Ursprung benannt und bekannt. Trotzdem handelt es sich bei den Variationen um ein völlig eigenständiges Werk.

Ich kann mir durchaus vorstellen, mal eine lyrische Variation über rilkesche Motive zu schreiben. Oder Songtexte von KollegInnen aufzugreifen und deren Thema in eine andere Richtung weiterzuspinnen. Bei beiden Aktivitäten wäre es mir aber eine Selbstverständlichkeit, die Inspirationsgeber zu benennen.

So und nicht anders funktioniert auch das heute vielzitierte “Copy/Mix/Share”.

In der aktuellen Rezeption werden aber oft nur zwei Extreme wahrgenommen: entweder wird eine Originalität postuliert, die überhaupt nicht existieren kann (denn, wie gesagt, es gibt nur zwölf Töne), oder es wird gleich behauptet, daß eh alle Autoren/Komponisten etc. “nur voneinander abschreiben” und Originalität im eigentlichen Sinne (was soll der dann überhaupt sein?) sowieso unmöglich ist.

Das ist mir beides zu eng gedacht. Und außerdem unlogisch. Denn irgendwo muß das Schreiben ja begonnen haben…

Die aus dem Geniekult der frühen Moderne geborene Attitüde “alles künstlerisch Wertvolle ist kontextloses Original” ist also ebenso Unfug wie “alles ist Kopie”.

Und ich weigere mich vehement, mich in einen dieser beiden überflüssigen Töpfe werfen zu lassen.

Zwischen der absoluten Eigenschöpfung und dem Plagiat liegt eine riesige Bandbreite. Es gibt unerhört Neues, es gibt eigenständige Werke, in denen die Einflüsse anderer deutlich sicht- und spürbar sind, und es gibt Kopien ohne nennenswerte eigene Schöpferkraft. Die Unterschiede sind erkennbar. Das Ganze ist also nicht beliebig, nur weil es kaum ein Schwarz oder Weiß gibt, sondern eine schattierte Grauzone.

Wer sich allerdings nicht die Mühe macht, sich seiner eigenen Ansprüche als Rezipient bewußt zu sein, dem kann man wirklich alles andrehen. Wohl bekomm’s!

(Als Künstlerin habe ich natürlich auch Ansprüche, unter anderem eben den, das, was ich aus einer Quelle schöpfe, mit meinem eigenen Aroma zu versehen, bevor ich es weiterreiche… Dazu gehört natürlich auch die Nennung meiner Quelle. Und das eigene Aroma wird die Hauptfarbe, der Geschmacksträger sein, nicht nur ein Hauch von Gewürz.)

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Ergänzung und Erklärung: ich schrieb dies, weil ich (wieder einmal) vernehmen mußte, daß wir Autoren ja doch nur alle voneinander abschreiben - ein beliebtes Scheinargument dafür, unsere Werke für “nicht schützenswert” zu erklären. Oder gleich für “nicht wert”?
Wer so argumentiert, erklärt meine Arbeit für wertlos. Das ist nicht nur eine totale Frechheit, die ich sehr persönlich nehme, sondern auch eine Haltung, gegen die ich mich aktiv zur Wehr setze.

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Ergänzung Nummer zwei:
Die berühmte “Causa Brecht” (Villon-Plagiate ohne Referenz) wird ja gerne als Rechtfertigung herangezogen. Nur, weil jemand Berühmtes plagiiert hat, soll es allgemein akzeptabel sein? Nö.
Niemand würde auf die Idee kommen, z. B. die Tat eines Bubi Scholz aufgrund seiner Berühmtheit für annehmbar und beispielhaft anzusehen… Das gilt für Brecht ebenso. Nur war’s in dessen Fall halt kein Kapitalverbrechen. ;-) Aber richtig war es nicht, geschweige denn vorbildlich. Einzig, weil jemand mit so etwas durchgekommen ist, heißt es nicht, daß es dann automatisch ok ist.

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Krimi 2.0

3. Februar, 2010 @ 09:22 | Kultur & Kontext |

Wenn wir schon von kreativen Herausforderungen reden: einer, der solche ebenfalls nicht scheut, ist der rührige Schauspieler Michael Jäger. Sei neuestes Projekt ist eine interaktive Krimiverfilmung: Auf Krimi 2.0 gibt es die Möglichkeit, nicht nur bereits das Genre des zu entstehenden Streifens mitzubestimmen, sondern später ebenfalls die Handlung, Schauspieler, Drehorte und vieles mehr. Irgendwo habe ich gelesen, daß man sich auch als Komparse bewerben kann. (Muß unbedingt herausfinden, ob die vielleicht sogar eine Band brauchen können, die irgendwo dekorativ im Hintergrund herumsteht, äh, spielt. ;-))

Ergänzung: mir ist eben eingefallen, daß die Musikindustrie (Betonung auf Industrie) eh eine Menge Themen und Material hergäbe - und ein prächtiges Sujet für eine bluttriefende Story. Vielleicht ginge es dabei dann auch um die skandalösen Machenschaften einer gewissen Verwertungsgesellschaft… (Man wird doch noch träumen dürfen. ;-) )

Ich gucke ja aufgrund meiner Neigung zu verstörenden nächtlichen Remakes im Traum nur äußerst selten Krimis, aber diesen behalte ich natürlich fest im Auge. Wenn die Sache gelingt (und ich gehe definitiv davon aus, denn da sind durchgehend Profis am Werk), könnte sie eine Vorreiterrolle in der Entwicklung der neuen medialen Wirklichkeit einnehmen. Wenn, ja wenn dann auch der “Mainstream” bereit wäre, sich mal auf kreative Herausforderungen einzulassen…

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UnGEMAch

24. Januar, 2010 @ 12:31 | GEMA, Kultur & Kontext, Öffentliche Ärgernisse |

Hier bei gulli.com steht’s: Barbara Clear hat ihre Berufungsverhandlung gegen die GEMA verloren.
Ich bin entsetzt, wütend und enttäuscht.
Aber auch überrascht?
Leider nicht völlig.

Im Gegensatz zu privatrechtlichen Abmachungen, bei denen durchaus in Betracht gezogen wird, was bei einem Vertrag intendiert ist (es also schwer ist, jemandem etwas ganz anderes zu verkaufen, als das, was er eigentlich haben wollte, siehe Verbraucherschutzgesetze), ist das beim gewerblichen Recht ganz anders: hier gilt ausschließlich, was im Vertrag schriftlich niedergelegt ist; sämtliche Zusatzvereinbarungen bedürfen der Nachweispflicht. Änderungen von Verträgen während ihrer Dauer sind also durchaus möglich und werden in den meisten Fällen nicht als sittenwidrig eingestuft.

Mit kaum zu überbietendem Zynismus nutzt die GEMA diesen Spielraum.
Dies zeigt sich auch in den bei gulli.com zitierten Äußerungen des GEMA-Vorstandsmitglieds Georg Oeller, der sich bereits vor einigen Monaten zum ersten Prozeß von Barbara Clear zu Wort meldete:

“Die Fragen des Rechts werden in Deutschland an ordentlichen Gerichten entschieden. Und da lassen wir uns nicht die Butter vom Brot nehmen. Wir gewinnen unsere Prozesse in dem Fall und dann ist es so.(…)”

Oeller geht aber noch weiter:

Dem Publikum der c/o pop erklärte er, dass es in Deutschland das Prinzip der Privatautonomie gäbe. Jeder könne für sich selbst entscheiden, ob er oder sie Mitglied der GEMA werden wolle.(…) Auch wies er darauf hin, dass die Interpreten genau wüssten, worauf sie sich bei der Vertragsunterzeichnung einlassen würden. “Wir treten in diesem Sinne auch nicht als Monopolist auf.” (…) Nicht er, sondern die Mitglieder würden über den Aufbau der Verwertungsgesellschaft bestimmen.

Tatsache ist: Die GEMA ist de facto ein Monopolist, denn es gibt keine andere gleichartige Verwertungsgesellschaft. Ob diese Monopolstellung jetzt von der GEMA selber so gewollt ist oder nicht, ist dabei vollkommen irrelevant. Das Problem ist auch nicht das Monopol per se, sondern die Art und Weise, wie die GEMA es mißbraucht.

Wer bei der GEMA einen Vertrag unterzeichnet, kann gar nicht dauerhaft wissen, worauf er sich einläßt, denn die Statuten können geändert werden - und während der letzten Jahre ist dies auch mehrfach passiert. Und zwar zu Ungunsten der mehr als 50 000 “angeschlossenen” und “außerordentlichen” Mitglieder, die dabei entgegen von Oellers Behauptung kein Wörtchen mitzureden hatten. Mal eben rasch austreten geht dann auch nicht; das habe ich aber selbst erst nach einiger Recherche herausgefunden.

Meines Erachtens agiert die GEMA scheindemokratisch. Nach außen in und in ihrer Eigendarstellung handelt es sich um einen Verein, in dem die Mitglieder Struktur und Richtung bestimmen. In Wahrheit jedoch tut dies eine kleine Minderheit, und die Mehrheit zahlt zwar Beiträge, hat aber keine bzw. nur stark beschränkte Rechte.

Es ist ein Unding, daß so etwas vertragsrechtlich überhaupt möglich ist. Hier aber kommt ins Spiel, was ich anfangs beschrieb: formaljuristisch ist dies in der Bundesrepublik Deutschland vollkommen legitim. Wenn auch ungerecht.

Was bleibt zu tun?

Es wäre tatsächlich wünschenswert, daß noch viel mehr betroffene Künstlerinnen und Künstler gegen diesen Irrsinn klagen, bis endlich eine Grundsatzdebatte auf politischer Ebene angestoßen wird. Das jedoch erfordert immense finanzielle Ressourcen. Und hier beißt sich die Katze wieder mal in den Schwanz: diejenigen, die über die entsprechenden Mittel verfügen, gehören absehbarerweise zu den durch die GEMA-Strukturen Priviligierten - und werden sich kaum selber den Ast absägen, auf dem sie sitzen…

Somit bleibt die Hoffnung, daß die im letzten Juli mit überwältigender Beteiligung beim deutschen Bundestag eingereichte Petition, die sich immer noch “in der parlamentarischen Prüfung” befindet, zu einer eingehenden Untersuchung und nötigenfalls Regulierung der GEMA führt. Angesichts der derzeitigen (verfilzten, von Interessengruppen beeinflußten und in meinen Augen total korrupten) politischen Gefüge halte ich das aber für eher unwahrscheinlich.

Verbleibt also nur noch der Appell an alle angeschlossenen und außerordentlichen Mitglieder, ihre Mitgliedschaft angesichts dieser Umstände (und mit Blick auf die Relation zwischen dem, was sie der GEMA zahlen und dem, was sie ausgezahlt bekommen) noch einmal gründlich zu überdenken. Und auszutreten.
Denn: was haben wir von einer Verwertungsgesellschaft, die uns unsere Rechte nimmt anstatt sie zu schützen?

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Imagine…

8. Dezember, 2009 @ 20:24 | Kultur & Kontext |

… all the people living for today…

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An die Arbeit!

1. Dezember, 2009 @ 11:05 | Kultur & Kontext |

Nicht nur heute.

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