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Karan

… supersonic butterfly

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Barbara Clear…

29. Juni, 2009 @ 07:16 | Kultur & Kontext, Öffentliche Ärgernisse |

… ist kein “kleiner Fisch”. Sondern eine anerkannte Künstlerin, die es schafft, ihre Musik ausgesprochen kreativ im Alleingang zu vermarkten. GEMA-Mitglied wurde sie allerdings trotzdem, was beim Umfang ihrer Aktivitäten auch ausgesprochen sinnvoll erschien. Daß dieser Schein trog, erwies sich bei der Ausschüttung: statt eines rechnerisch erwartbaren Betrages von € 27 000 (wohlgemerkt: für Einzahlungen von über € 65 000 an GEMA-Gebühren!), erhielt sie nur € 5000.

Barbara Clear fackelte nicht lange und verklagte die GEMA. Was bei dieser Sachlage ja auch ziemlich erfolgversprechend erschien.

Nun ist das Urteil gefallen:

“Es wurde entschieden, daß ich keinerlei Anspruch auf den von mir geforderten Betrag, genauer: überhaupt keinen Anspruch habe. Denn: “Ein etwaiger Zahlungsanspruch ergibt sich nicht aus den zwischen den Parteien geschlossenen Berechtigungsvertrag”, sagt das Gericht. Bedeutet im Klartext, ich habe für meine eigenen Werke nichts zu fordern und zu wollen, dafür gibt es keine rechtliche Grundlage. Die Gema kann mir was bezahlen, aber ob, wie, wann und in welcher Höhe, ist Sache der Gema, aber jeder Veranstalter, jeder Sender und ich als Veranstalterin meiner eigenen Konzerte und Musik sowie als Produzentin meiner eigener Songs haben pauschal an die Gema zu bezahlen, was immer sie auch fordert. (…)

Begründet wird das alles mit schier unglaublichen Konstruktionen und Begründungen wie zum Beispiel, daß es mich nichts angeht und ich auch keine Ansprüche haben kann, wenn ein Veranstalter für mein Konzert und meine Musik Geld an die Gema bezahlt. Das Gericht schreibt: “Das Rechtsverhältnis zwischen der Gema und dem jeweiligen Veranstalter ist streng von dem Rechtsverhältnis zwischen Barbara Clear und der Gema zu trennen. Eine Vermischung dieser Rechtsverhältnisse entsteht auch nicht dadurch, daß Barbara Clear auf Veranstaltungen aufgetreten ist bzw. auf der Veranstaltung Musikwerke von Barbara Clear gespielt wurden.” Heißt wohl ganz allgemein, die Veranstalter laden Geld über Geld in die Gema-Kasse, wohlgemerkt in die Kasse, die für die Rechte der Komponisten und Texter gefüllt werden soll, und der Künstler, Komponist und Texter bekommt aus dieser Kasse das, was die Gema für richtig befindet - Ansprüche hat er nicht.

Ich spiele also 100 Konzerte mit meinen Kompositionen und Texten, der Veranstalter zahlt für die 100 Konzerte 30.000 bis 50.000 Euro an die Gema, und ich habe keinen Anspruch, den ich formulieren kann oder darf. Vielleicht vergütet mir die Gema nach ihrem System und Gutdünken 100, vielleicht 1000 Euro, vielleicht auch 5000 Euro, was auch immer. Und der Rest der Einnahmen, die durch meine Songs entstanden sind, fließt irgendwo hin, keiner weiß es - außer der Gema. Wenn das keine Ausbeutung ist, was denn dann. Und nun auch noch dokumentiert. Die Gema und ihr staatlicher Auftrag, sich um die Rechtewahrnehmung von Komponisten und Texter zu kümmern, bedeutet also nach meiner Meinung: Kassiere mit diesen Dir übertragenen Rechten so viel und wo’s nur geht ab, und füttere die, die Du füttern willst. Und keiner kann Dich wegen solch willkürlicher Umverteilung angreifen.”

Barbara Clear würde gerne in Berufung gehen, aber der verlorene Prozeß hat bereits so viele Kosten auflaufen lassen, daß sie nicht weiß, ob sie das überhaupt kann.

Tatkräftige Unterstützung per Geld im Briefumschlag geht an:
Barbara Clear
Hofer Strasse 3b
94113 Tiefenbach

Was kann noch getan werden gegen diese Impertinenz?

Natürlich immer noch: die Petition unterzeichnen!

Noch-GEMA-Mitgliedern kann man unter diesen Umständen tatsächlich nur zum Austritt raten. Umgehend und massenhaft. Wenn über 50 000 “angeschlossene” und “außerordentliche Mitglieder” zahlen und 3000 “ordentliche Mitglieder” den Löwenanteil des Profits abschöpfen, dann ist das Ausbeutung. Und sonst nichts.

Es ist eigentlich ganz stimmig, daß sich die GEMA ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in der über Urheber- und Verwertungsrechte heiß diskutiert wird, derartig bis zur Kenntlichkeit demaskiert.

Auf die meisten politischen Instanzen in diesem Staat setze ich, ehrlich gesagt, nicht mehr viel Hoffnung. Dennoch habe ich mir einen Funken Zuversicht bewahrt, daß die dringend fällige, auch in der Petition geforderte Überprüfung und Reform dieser AusbeutungsVerwertungs-Gesellschaft sie entweder zerschlägt, oder endlich zu dem macht, was ihr eigentlicher Sinn und Zweck wäre und in früheren Dekaden ja auch tatsächlich einmal war: zu einer Institution, die Künstlerinnen und Künstler bei der Wahrnehmung ihrer Rechte unterstützt.

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Heiße Debatte…

25. Juni, 2009 @ 18:18 | Kultur & Kontext |

… bei TillaPe. Lesen!

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Aufklärung

23. Juni, 2009 @ 13:08 | Kultur & Kontext, Lyrik & Prosa &soweiter |

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Immanuel Kant

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Was macht Kunst wertvoll?

20. Juni, 2009 @ 01:22 | Kultur & Kontext |

Zu meinen Gedanken zum Urheberrecht ereilte mich via Twitter ein von Eckermann überliefertes Goethe-Zitat:

“Im Grunde aber sind wir alle kollektive Wesen, wir mögen uns stellen, wie wir wollen. Denn wie weniges haben und sind wir, das wir im reinsten Sinne unser Eigentum nennen! Wir müssen alle empfangen und lernen, sowohl von denen, die vor uns waren, als von denen, die mit uns sind. Selbst das größte Genie würde nicht weit kommen, wenn es alles seinem eigenen Innern verdanken wollte. Das begreifen aber viele sehr gute Menschen nicht und tappen mit ihren Träumen von Originalität ein halbes Leben im Dunkeln. Ich habe Künstler gekannt, die sich rühmten, keinem Meister gefolgt zu sein, vielmehr alles ihrem eigenen Genie zu danken zu haben. Die Narren! Als ob das überall anginge! Und als ob sich die Welt ihnen nicht bei jedem Schritt aufdränge und aus ihnen, trotz ihrer eigenen Dummheit, etwas machte! Ja, ich behaupte, wenn ein solcher Künstler nur an den Wänden dieses Zimmers vorüberginge und auf die Handzeichnungen einiger großer Meister, womit ich sie behängt habe, nur flüchtige Blicke würfe, er müßte, wenn er überhaupt einiges Genie hätte, als ein anderer und Höherer von hier gehen.”

Ich habe diese und ähnliche Argumentationen jetzt schon einige Male als Begründungen für eine Verkürzung des Urheberrechts gelesen: jeder Künstler sei allen möglichen Einflussen ausgesetzt, von denen er sich inspirieren lasse und aus denen er schöpfe, ergo sei es unmöglich von Originalität oder Einzigartigkeit zu sprechen, folglich gehöre auch das künstlerische Ergebnis solcher Inspiration wiederum dem Kollektiv, also allen und nicht dem jeweiligen Künstler.

Mal ganz abgesehen davon, daß der Dichterfürst Goethe aller Voraussicht nach mehr als ungehalten reagiert hätte, wenn ihm mit derlei Sophismen die Urheberschaft seiner Werke zu schmälern versucht worden wäre, sehe ich den Begriff der Wertigkeit von Kunst hier überhaupt noch nicht berührt oder erfaßt.

Es gibt nämlich nur zwölf Töne in der westlichen Skala, das deutsche Alphabet umfaßt nur 26 Buchstaben (und ein paar Umlaute). In anderen Teilen der Erde sieht das schon wieder ganz anders aus. Wir Künstlerinnen und Künstler nehmen auf und verwenden, was uns umgibt. Das ist das einzige Material, was wir haben. Gedichte, Skulpturen, Lieder entstehen nicht aus erdfremder Materie oder geistfremden Gedanken.

Wertvoll wird ein Kunstwerk nicht dadurch, daß es sich unvergleichbar von seiner Umgebungskultur abhebt. Sondern dadurch, daß es überhaupt existiert. Daß sich jemand die Mühe gemacht hat, es zu schaffen. Und dadurch, daß es dann andere berührt, erfreut, aufrüttelt, nachdenklich macht oder ebenfalls inspiriert.

Das Goethe-Zitat geht übrigens noch weiter, und zwar sehr bemerkenswert:

Es ist im Grunde auch alles Torheit, ob einer etwas aus sich habe oder ob er es von andern habe; ob einer durch sich wirke oder ob er durch andere wirke; die Hauptsache ist, daß man ein großes Wollen habe und Geschick und Beharrlichkeit besitze es auszuführen; alles übrige ist gleichgültig.

Die Hervorhebung ist übrigens von Eckermann persönlich. Und er, Goethes größter Fan, wird schon gewußt haben, weswegen er genau dies betont: weil es eben Wollen, Geschick und Beharrlichkeit sind, die künstlerisches Tun, ebenso wie jede andere gut geleistete Arbeit, auszeichnen und wertvoll machen.

Und warum sollte künstlerisches Schaffen nicht ebenso wie jede andere gut geleistete Arbeit seinen Lohn verdienen?

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Warum ich noch nicht in die Piratenpartei eintrete

19. Juni, 2009 @ 18:18 | Kultur & Kontext |

Jungle-World präsentiert ein Interview von Daniel Steinmaier mit Christian Engström, dem ersten Europa-Abgeordneten der schwedischen Piratenpartei. Was dieser dort über die Haltung seiner Partei zum Urheberrecht erzählt, bestätigt mein Zögern. Meine Hoffnung ist, daß die deutsche Piratenpartei da doch zu einer etwas anderen und realistischeren Haltung finden wird.

Zuvörderst möchte ich aber sagen, daß die Piratenpartei ganz grundsätzlich schon genau diejenigen Dinge vertritt, die ich politisch repräsentiert sehen möchte. Und auch eine Änderung des Umgangs mit Kulturprodukten steht dringend an. Dabei sehe ich jedoch vor allem den Bedarf, die überzogenen Ansprüche der “Zwischenhändler” und reinen Profitabschöpfer endlich in die Schranken zu weisen, damit die Urheber, also die Kulturschaffenden, endlich wieder die Möglichkeit bekommen, von ihrer Hände und Köpfe Arbeit zu leben.

D.S.: Neben dem Einsatz für Bürgerrechte ist Ihre Partei vor allem dafür bekannt, dass sie sich für die Liberalisierung des Urheberrechts einsetzt. So wollen Sie die Dauer des Kopierverbots von bisher 70 Jahren auf fünf Jahre senken.

C.E.: Genauer ist das Werk noch 70 Jahre lang nach dem Tod des Autors urheberrechtlich geschützt. Das sind insgesamt also oft rund 120 Jahre. Dabei ist es wichtig, sich den Zweck des Urheberrechts vor Augen zu halten. Das Urheberrecht soll es Investoren ermöglichen, Geld in etwas zu investieren, indem eine rechtliche Grundlage für die Erwartung geschaffen wird, dieses Geld zurückzubekommen. Aber kein ­Investor auf der Welt rechnet mit einer Rückzahlungszeit von 120 Jahren! Niemand denkt sich, gut, die ersten 100 Jahre werde ich mit meinen geistigen Bemühungen nichts verdienen, aber dann werden sich meine Anstrengungen auszahlen. Das ist nirgends so, schon gar nicht im kulturellen Bereich, wo die Dinge so schnell­lebig sind.

Die Zeiten der Investoren sind lange vorbei. Zu Rilkes Zeiten war das wirklich noch so, daß er vom Verlag (also dem Investor) und dessen Investitionen leben konnte. Die heute geänderten Voraussetzungen (in Richtung Selbstvermarktung) und die derzeit erwartbaren Gewinne sind denkbar gering. Die Schnellebigzeit unserer Zeit ist zwar eine Tatsache, aber zumindest für mich kein Ideal.

D.S.: Aber werden Menschen immer noch genauso viel Geld und Mühen in Werke investieren, wenn diese nur fünf Jahre ihnen gehören?

C.E.: Ja, natürlich. Die meisten Kinofilme, die vor fünf Jahren gemacht wurden, kann man sich heute im Fernsehen ansehen, und zwar im Programm der billigen Fernsehsender, die nur sehr altes Zeug senden. Oder man kann sie als DVD in der Wühlkiste an der Supermarktkasse kaufen. Natürlich gibt es Ausnahmen. »Vom Winde verweht« oder »Der Herr der Ringe« wird immer toll laufen, aber die haben das in ihre Produktion investierte Geld doch schon lange eingespielt! Fünf Jahre sind wirklich genug.

Dieses Argument hinkt auf beiden Beinen. Für Filme mag das mit dem Einspielen der Produktionskosten sogar noch zutreffen - bei Musik, unabhängig produziert wie bei uns, sieht das schon ganz anders aus. Außerdem ist damit wiederum die Gefahr gegeben, daß nach Ablauf dieser Frist andere mit den dann freiwerdenen Werken ordentlich absahnen - im schlimmsten Fall diejenigen, die den Urheber während der ersten fünf Jahre künstlich kaltgestellt haben… Dieses Szenario entspringt keinesfalls nur meiner Phantasie - “Kaltstellungsverträge” sind in der Musikbranche heute schon üblich; ich kenne einen Kollegen, der von so etwas betroffen ist…

D.S.: Was für positive Effekte erwarten Sie von der drastischen Verkürzung des Urheberrechtsschutzes – außer dass man fünf Jahre alte Kinohits nicht mehr an der Supermarkt­kasse finden wird, sondern sie kostenlos herunterladen darf?

C.E.: Der größte Nachteil der jetzigen Regelung ist, dass der allergrößte Teil der Kultur des 20. Jahrhunderts nicht genutzt und verbreitet werden darf, weil dies schlicht illegal wäre – denn entweder gehören diese Kulturgüter einigen großen Unternehmen, oder aber niemand weiß, wem die Rechte an ihnen gehören. Vielleicht ist der Autor seit 60 Jahren tot, hatte vielleicht aber eine Tochter, die noch am Leben ist – oder auch nicht, wer weiß das schon? Deshalb gibt es jede Menge interessante Sachen, die sich niemand zu nutzen traut: interessantes Footage-Material und vieles mehr. Das, was wir für unser kollektives kulturelles Erbe halten, ist überhaupt kein kollektives Erbe, weil es ­illegal ist, es zu nutzen.

Noch mal: Die Kinohits haben Profit gebracht. Unsere fünf Jahre alten Produktionen noch lange nicht. Und nicht, weil sie schlecht wären oder niemandem gefallen, sondern einfach, weil wir (noch) nicht denselben Wirkungsgrad haben wie “Lord of the Rings” oder, um bei der Musik zu bleiben, Herr Grönemeyer oder Rosenstolz.

Die Undurchschaubarkeit kulturellen Eigentums ist wirklich ein Punkt, der geändert werden sollte. Große Unternehmen sind m. E. nicht unbedingt legitime Nachnutzer. Erben der Künstler sehr wohl.
Als ich (zur Zeit, da seine Werke noch geschützt waren) die wertvollen Insel-Bände mit Rilkes Gedichten erwarb, war mir übrigens sehr wohl bewußt, daß es die Familie Rilke noch gibt und davon auch noch was hat. Ich fand das in Ordnung. Jeder Mensch, der sich etwas aufbaut, sei es eine Firma oder ein künstlerisches Werk, soll meines Erachtens auch das Recht bekommen, die Nutznießung auf seine Nachkommen in angemessener Weise auszudehnen.
Diese angemessene Weise freilich muß und soll verhandelt werden.

Daß sich freiwerdende Werke niemand zu verwenden traut, stimmt auch nicht. Wieder bleibe ich bei Rilke. In dem Augenblick, als das Urheberrecht für dessen Dichtungen auslief, schossen die neuen Ausgaben wie Pilze aus dem Boden. (Die wenigsten dieser meist billig produzierten Schmuckbändchen waren allerdings schön…)

D.S.: Wenn man sich die Geschichte ansieht, hat es aber den Anschein, als wäre die Erfindung des Urheberrechts nicht gerade unwichtig für die Entwicklung kultureller Güter gewesen. Das Urheberrecht hat die Kunst von den Interessen der adligen und klerikalen Mäzene befreit und damit die bürgerliche, so genannte autonome Kunst ermöglicht.
C.E.: Nein. Gibt es irgendwelche Studien, die das beweisen?

D.S.: Das sagen jedenfalls Literatur- und Kunsthistoriker.

C.E.: Ich habe aber noch nie einen Beweis für diese These gesehen.

Hier redet sich Engström äußerst ungeschickt heraus. Um dies zu belegen braucht es nämlich keine Studie - abgesehen davon, daß die literatur-, kunst- und musikgeschichtlichen Forschungen es dutzendfach bezeugen. Diese akademischen Arbeiten muß man aber gar nicht lesen, es reicht die Betrachtung von Kunst, Literatur und Musik nach der Aufklärung…

Insgesamt zeigt sich das Thema “Angemessenheit”, das übrigens auch beim gesamten Komplex des Filesharings eine große Rolle spielt. Privatkopien hat es immer gegeben. Allerdings unterschieden diese sich zu allen früheren Zeiten deutlich vom Original. Das ist heutzutage anders. Und genau aus diesem Grund muß ein Modus gefunden werden, damit Künstler nicht nur überleben, sondern angemessen leben können.

Wie dieser aussehen kann? Dazu gibt es unterschiedliche Denkansätze. Alle jedoch bedürfen eine faire Umverteilung. Weswegen ich nochmals auf die Dringlichkeit einer GEMA-Reform hinweisen möchte (Petition unterzeichnen: hier. :-)

Meine Hoffnung für die deutsche Piratenpartei ist, daß sie sich mit all diesen Themen in einer Art und Weise auseinandersetzt, die sich nicht mit Spekulationen zufrieden gibt, sondern uns heutige Kulturschaffende und unsere Interessen aktiv einbezieht. Ich würde mich freuen, eines nicht allzu fernen Tages meine Beitrittserklärung ausfüllen zu können.

Darum bin ich auch sehr gespannt auf unseren morgigen Besuch bei der Gründung des Vereins “Musikpiraten” in Frankfurt…

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Kulturelle Arroganz

19. Juni, 2009 @ 14:38 | Kultur & Kontext |

Ein anderes Wort kann ich nicht finden, um die Attitüde zu beschreiben, mit der Gottfried Honnefelder, Vorsitzender des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, sich anläßlich der Ehrung von Richard v. Weizsäcker als “Förderer des Buches” über die angeblichen Qualitäten von Büchern zu Wort meldet:

“Wer sich (…) für das Buch einsetzt – ein Gut, das auf elementare Bedürfnisse des Menschen antwortet und das unter den Medien der gewaltloseste Vermittler ist und bleibt, dem ist der Wert des Wortes und des geistigen Eigentums wichtig.”

(Hervorhebung von mir).

Irgendwelche Medien per se als “gewaltlos” oder “gewaltträchtig” kategorisieren zu wollen, ist natürlich bereits ein Fehlschluß an sich. Es sind immer noch die Menschen, die Glaubenskriege, Ketzerprozesse, Bücherverbrennungen und Pogrome anzetteln. Jedoch, was wurde dabei stets geschwenkt, vergöttert, absolut gesetzt? Die jeweiligen Schriftzeugnisse der involvierten religiösen und/oder politischen Fraktionen!

Ich frage mich, wieso jemand, der sich für etwas einzusetzen glaubt, das unsere Gesellschaft und Zeit so dringend braucht, nämlich den Wert des Wortes, den Wert geistiger Inhalte überhaupt, sich derartiger Platitüden bedient. Instrumentalisierungen aller Art sind offenbar derzeit in Mode…

(via Telepolis)

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GEMA endlich reformieren!

8. Juni, 2009 @ 15:36 | GEMA, Kultur & Kontext, Zeit & Geist, Öffentliche Ärgernisse |

Ein Kollege von mir ist vor einigen Jahren, nach der letzten Statuten-Änderung, aus der GEMA ausgetreten, weil sich eine Mitgliedschaft für ihn nicht mehr lohnte, er sogar draufzahlte. Bei Existenzgründungsseminaren für Musiker wird mittlerweile explizit abgeraten, der GEMA beizutreten - die Rentabilität ergibt sich erst auf einem Niveau, von dem die meisten Band derzeit nur träumen können.

Eine wackere Veranstalterin, Monika Bestle von der Kulturwerkstatt Sonthofen, hat den Stier jetzt bei den Hörnern gepackt und initiiert eine Petition beim deutschen Bundestag mit dem Ziel, die längst fällige Reform zugunsten aller, auch der “kleinen” KünstlerInnen und VeranstalterInnen, endlich in die Wege zu leiten.

(…)“Zur Gebührenberechnung für Kleinveranstalter legt die GEMA folgende drei Punkte zu Grunde: Raumgröße, Höhe des Eintrittgeldes und GEMA-Pflicht für die gesamte Veranstaltung ab einem GEMA-pflichtigen Musikstück. Die durchwegs zu hohen Gebühren zwingen Kleinveranstalter die Anzahl der Konzerte zu reduzieren. Viele veranstalten gar keine Konzerte mehr.

Dem gegenüber werden die Künstler-Tantiemen nach dem so genannten, hochkomplizierten Pro-Verfahren berechnet und der Hauptanteil der GEMA-Einnahmen landen in einem so genannten „großen Topf“.
Auch viele Künstler sind deshalb in ihrer Existenz bedroht: zu wenig Auftrittsmöglichkeiten und zu geringe Tantiemen. “
(…)

Bitte werdet Mitzeichner! Hier geht’s direkt zur Petition.

Mich trifft der derzeitige Zustand direkt und ich wünsche mir, daß er sich endlich zum Besseren wendet.
Machbar ist es.

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“Hope I die before I get old”

25. März, 2009 @ 23:08 | Kultur & Kontext |

Wenn ich mich das nächste Mal alt und müde fühle, gucke ich mir obiges Video der “Zimmers” an, besuche sie auf ihrer Webseite oder bei Myspace

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Weiße Rose

22. Februar, 2009 @ 16:12 | Kultur & Kontext |

Heute vor 66 Jahren wurden Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst hingerichtet. Nur wenig später teilten weitere Mitstreiter der Weißen Rose ihr Schicksal.

Dieses Lied haben sie gern gesungen. Und wir singen es weiter.

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Unterhaltung

2. Januar, 2009 @ 08:21 | Kultur & Kontext |

“Nur” Zeitvertreib, Kurzweil, Freizeitvergnügen?

Will Shetterly schreibt:

“I see most entertainment as soporific propaganda, comforting people without challenging them. Organized entertainment is the successor to organized religion, another way to tell people to be quiet and trust their masters.”

Da hat er gewiß recht.

“Unterhaltung” bedeutet aber auch “Instandhaltung der Substanz”. Und da erkenne ich, ebenso wie Will, meine Herausforderung und Aufgabe.

Kürzlich hatte ich ein langes Gespräch mit dem Drehleier-Virtuosen und Straßenmusiker aus Leidenschaft Pol O’Ceallaigh. Einer seiner Sätze kam mir vor wie eine Prophezeihung. Er meinte, er mache sich gar keine Sorge um seine Existenz als Musiker, denn in Zeiten wie diesen lechzten die Menschen nach Unterhaltung.

Die staatlich gewollte Vernachlässigung von Kultur (die gefährdete Künstlersozialkasse und die unfairen GEMA-Richtlinien sind nur einige wenige Punkte, die sie offenbar werden lassen) wird uns nicht aufhalten. Wir bleiben dran. Jeder Akkord, den wir spielen, ist eine Stellungnahme gegen die Resignation. Und für freies Denken und Fühlen.

Mag auch die Masse nach dem hirnverstopfenden “Privatsender-Opium” greifen, es wird doch die Zahl derer zunehmen, die etwas anderes wollen: Bestätigung, Wagnis, Suche und Identität.

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