Held des Augenblicks
14. Juli, 2010 @ 07:35 | Kultur & Kontext, Liederschreibseln, Persönliches |
Ich kann es immer noch nicht so wirklich fassen.
Wir Singvøgel haben uns ja von Anfang an für das tolle Projekt “Krimi 2.0″ interessiert, das Michael Jäger in’s Leben gerufen hat. Darum wollten wir uns natürlich auch für den Titelsong bewerben. Der entstand sogar für unsere FAWM-erprobten Verhältnisse in Rekordzeit, ebenso wie die Aufnahme im Studio (ich glaube, das war die schweißtreibendste Session, die wir je hatten
).
Nur mußte für die Bewerbung natürlich auch ein Video her. Das stellte uns vor ziemliche Probleme. Wir hatten weder die Zeit noch die Ressourcen, selber etwas zu produzieren und hatten uns bereits leicht frustriert darauf eingestellt, uns mit ein paar zu einer Diashow zusammengebauten Fotos zu begnügen, da entstieg den unendlichen Weiten des Internets der Alex und verwies uns an einen Filmemacher, mit dem er selbst schon zusammengearbeitet hat: George P. Schnyder.
“Oha”, dachte ich mir, “der kann was. Das wird bestimmt teuer. Und wir haben ja noch nicht mal die Finanzierung für unsere fast fertige neue CD in trockenen Tüchern.”
Was wir da noch nicht wußten: George ist ein Enthusiast. Wenn ihm was gefällt, dann macht er das. Mit voller Kraft und ohne Wenn und Aber. Zudem hatte die Gunst der Stunde unseren Auftritt beim Friedensfest in Iserlohn zeitlich und vor allem örtlich derartig günstig gelegt, daß er ihn filmen konnte.
Doch damit nicht genug: George steht ja nicht nur hinter der Kamera, sondern ist selber Produzent. Weshalb sich in seinem Kopfkino auch sogleich eine Story zum Song entspann. Und weil er sowieso gerade bei einem Online-Filmprojekt, “Julia & Julia” mitwirkt (auf das ich schon riesig gespannt bin), hatte er über die Agentur “Cast My Life” auch eine ganze Riege junger, hochmotivierter Schauspieler an der Hand, die ebenfalls mitmachten. Einfach so, mit tollem Engagement.
Der Tag in Iserlohn verging wie im Flug, und ehe ich so richtig zu mir kam, waren unsere Parts im Kasten. Dann wurden noch in Windeseile die Schauspiel-Szenen produziert. Und ich habe so das Gefühl, daß der gute George ein paar Nächte lang überhaupt nicht ins Bett gekommen ist, denn gestern abend war das Ding bereits fertig.
Leute, Ihr seid alle großartig!!!
Und mir wird immer stärker bewußt, daß dieses Netz etwas bewegt. Im realen Leben, nicht nur auf irgendwelchen Monitoren. Da treffen sich Menschen, die sich sonst nie begegnet wären. Da werden Dinge möglich, die sonst Träume geblieben wären. Da verbinden sich kreative Kräfte zu etwas ganz Neuem. Und da haben die Singvøgel auf einmal ein professionelles Musikvideo.
FAWM over!
5. März, 2010 @ 22:30 | FAWM, Liederschreibseln |
Und ich brauchte erst mal ein paar Tage, um das alles sacken zu lassen…
Eigentlich muß ich gar nichts mehr schreiben, denn Duke hat’s schon wunderbar gesagt.
Aber ich will. Denn es war in diesem Jahr ganz anders als im letzten. Da hatte ich mich nämlich die ganze Zeit gefragt, ob ich das wirklich schaffe - und es war, bei aller Freude, wahnsinnig anstrengend. In diesem Jahr habe ich mir erlaubt, zu spielen. Habe Songtexte für andere geschrieben. Habe bei irrwitzigen “challenges” mitgemacht und dabei gelernt, daß man Songs in einer Stunde schreiben kann, habe eine von insgesamt 56 Parodien fabriziert, eine Geschichte von Duke weitererzählt, mich aus Zeitmangel leider immer noch viel zu wenig im Forum und im Chat herumgetrieben, wo es immer sehr lustig ist, gleich zweifach über FAWM resümiert - und einen Haufen Spaß gehabt. Weil es mir gelungen ist, mir einerseits überhaupt keinen Druck zu machen, mich andererseits aber trotzdem richtig reinzuhängen.
Toll war’s! Und das Allertollste war natürlich, daß Duke mit dabei war und ganz zum Schluß sogar Sven noch mit eingestiegen ist, obwohl er eigentlich überhaupt keine Zeit dafür hatte. Aber das Leben ist nun mal uneigentlich.
Jetzt freue ich mich wie Bolle auf die “FAWM-Over-Party” in London, wo Sven und ich die Singvøgel würdig zu vertreten zu gedenken (Duke kann leider terminlich nicht, aber im nächsten Jahr wird er einfach chloroformiert und auf die Fähre gezerrt….)
Kommentare (4)Schwermetall…
19. Februar, 2010 @ 17:07 | FAWM, Liederschreibseln |
… gibt’s hier.
Und meine neuesten Lieder sind auch zu hören: “Schreibblockade”, “Meine Muse ist nicht nachtaktiv”, “Troll meiner Träume”, “Mit sieben Sinnen”, “Xenologismen” und “Schnee auf mein Herz”.
Waren intensive Tage…
Alles nur kopiert?
14. Februar, 2010 @ 15:56 | Kultur & Kontext, Liederschreibseln, Öffentliche Ärgernisse |
Es gibt nur zwölf Töne.
Es gibt nur 26 Buchstaben.
(Zumindest hier in unserem hiesigen westeuropäischen Kulturkontext.
)
Was also ist Originalität?
Das ganz Neue, nie zuvor Dagewesene?
Das völlig Unerwartete, jeglichen Rahmen Sprengende?
Solches existiert, aber es ist rar - und auch nicht unbedingt entscheidend originell.
Originell wird ein Kunstwerk, indem es das Eigene sagt. Berührend wird ein Kunstwerk, indem es denjenigen, der es wahrnimmt, an sein Eigenes erinnert. Wir sind alle Individuen (auch wenn manche “ich nicht” schreien
). Und wir teilen gleichzeitig unsere menschlichen Grundstrukturen, auch die kulturellen.
Inspiration ist nicht nur natürlicher Teil, sondern Voraussetzung jeglichen kreativen Ausdrucks. Wir stehen auf den Schultern unserer Ahnen.
Hätte Rainer Maria Rilke nicht gelebt, gäbe es wahrscheinlich kein einziges meiner Gedichte, zumindest nicht in dieser Form. Denn Rilke hat mich zutiefst inspiriert. An seinen Versmaßen, seinen Wortfindungen habe ich mich geschult. Über lange Jahre, bevor ich überhaupt selber eine Silbe auf das Papier brachte.
In der klassischen Musik gibt es eine wunderbare Form, “Variationen über ein Thema von…” Hier wird ein musikalisches Motiv eines anderen Komponisten aufgegriffen, variiert, in einen völlig anderen Zusammenhang gebracht. Immer ist dabei der Ursprung benannt und bekannt. Trotzdem handelt es sich bei den Variationen um ein völlig eigenständiges Werk.
Ich kann mir durchaus vorstellen, mal eine lyrische Variation über rilkesche Motive zu schreiben. Oder Songtexte von KollegInnen aufzugreifen und deren Thema in eine andere Richtung weiterzuspinnen. Bei beiden Aktivitäten wäre es mir aber eine Selbstverständlichkeit, die Inspirationsgeber zu benennen.
So und nicht anders funktioniert auch das heute vielzitierte “Copy/Mix/Share”.
In der aktuellen Rezeption werden aber oft nur zwei Extreme wahrgenommen: entweder wird eine Originalität postuliert, die überhaupt nicht existieren kann (denn, wie gesagt, es gibt nur zwölf Töne), oder es wird gleich behauptet, daß eh alle Autoren/Komponisten etc. “nur voneinander abschreiben” und Originalität im eigentlichen Sinne (was soll der dann überhaupt sein?) sowieso unmöglich ist.
Das ist mir beides zu eng gedacht. Und außerdem unlogisch. Denn irgendwo muß das Schreiben ja begonnen haben…
Die aus dem Geniekult der frühen Moderne geborene Attitüde “alles künstlerisch Wertvolle ist kontextloses Original” ist also ebenso Unfug wie “alles ist Kopie”.
Und ich weigere mich vehement, mich in einen dieser beiden überflüssigen Töpfe werfen zu lassen.
Zwischen der absoluten Eigenschöpfung und dem Plagiat liegt eine riesige Bandbreite. Es gibt unerhört Neues, es gibt eigenständige Werke, in denen die Einflüsse anderer deutlich sicht- und spürbar sind, und es gibt Kopien ohne nennenswerte eigene Schöpferkraft. Die Unterschiede sind erkennbar. Das Ganze ist also nicht beliebig, nur weil es kaum ein Schwarz oder Weiß gibt, sondern eine schattierte Grauzone.
Wer sich allerdings nicht die Mühe macht, sich seiner eigenen Ansprüche als Rezipient bewußt zu sein, dem kann man wirklich alles andrehen. Wohl bekomm’s!
(Als Künstlerin habe ich natürlich auch Ansprüche, unter anderem eben den, das, was ich aus einer Quelle schöpfe, mit meinem eigenen Aroma zu versehen, bevor ich es weiterreiche… Dazu gehört natürlich auch die Nennung meiner Quelle. Und das eigene Aroma wird die Hauptfarbe, der Geschmacksträger sein, nicht nur ein Hauch von Gewürz.)
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Ergänzung und Erklärung: ich schrieb dies, weil ich (wieder einmal) vernehmen mußte, daß wir Autoren ja doch nur alle voneinander abschreiben - ein beliebtes Scheinargument dafür, unsere Werke für “nicht schützenswert” zu erklären. Oder gleich für “nicht wert”?
Wer so argumentiert, erklärt meine Arbeit für wertlos. Das ist nicht nur eine totale Frechheit, die ich sehr persönlich nehme, sondern auch eine Haltung, gegen die ich mich aktiv zur Wehr setze.
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Ergänzung Nummer zwei:
Die berühmte “Causa Brecht” (Villon-Plagiate ohne Referenz) wird ja gerne als Rechtfertigung herangezogen. Nur, weil jemand Berühmtes plagiiert hat, soll es allgemein akzeptabel sein? Nö.
Niemand würde auf die Idee kommen, z. B. die Tat eines Bubi Scholz aufgrund seiner Berühmtheit für annehmbar und beispielhaft anzusehen… Das gilt für Brecht ebenso. Nur war’s in dessen Fall halt kein Kapitalverbrechen.
Aber richtig war es nicht, geschweige denn vorbildlich. Einzig, weil jemand mit so etwas durchgekommen ist, heißt es nicht, daß es dann automatisch ok ist.
Neues von der Baustelle
9. Februar, 2010 @ 20:35 | FAWM, Liederschreibseln |
In den letzten Tagen wurde ich immer wieder mal zu FAWM befragt: warum und weshalb und was es denn bringt und ob dabei überhaupt etwas herauskommt. Mit Duke habe ich mich auch lange darüber unterhalten.
Ihn fasziniert genau wie mich, daß das Ganze eigentlich eine riesige Baustelle ist, an der alle munter vor sich hinwerkeln. Und bei den Liedern, die dort jetzt zu hören sind, handelt es sich in den allerseltensten Fällen um komplette Produktionen. Es sind Entwürfe, Skizzen, gewissermaßen Song-Skelette. Das Fleisch auf den Knochen kommt später. Auch meine letztjährigen FAWM-Songs, die es ins Singvøgel-Repertoire geschafft haben, wurden noch ausgiebig behauen und beschliffen, bis sie schließlich zu ihrer endgültigen Form fanden.
Auch die Aufnahmen sind (wie bei den meinigen deutlich zu merken) rasche Mitschnitte. Ich habe die Gelegenheit genutzt, mein kleines Aufnahmegerät ein bißchen besser kennenzulernen und ein paar Sachen auszuprobieren, die technisch nicht alle funktioniert haben, aber das ist völlig egal; wichtig war, die Gelegenheit zu nutzen.
So ein “Blick in die Werkstatt” wie bei FAWM ist normalerweise im Kunstbetrieb absolut unüblich. Es kostet auch eine Menge Überwindung, derartige Rohbauten zugänglich zu machen. Möglich wird dies nur durch die großartige Community dort, den respektvollen und ermutigenden Umgang miteinander in den Kommentaren. Denn in einem Stadium wie diesem wirkt Kritik, auch gut gemeinte, sehr schnell vernichtend; da hilft die Benennung der Stärken und allgemeine Ermunterung viel mehr. Der März und die Zeit des Überarbeitens kommt früh genug…
Ach ja, Lieder habe ich natürlich auch geschrieben: “Der Wind macht mich frei” handelt von meiner Sehnsucht, Fliegen zu können. Bei “Schweinehund” geht es natürlich um ebendiesen. Und “Hundert Jahre Wald” stammt von Wesen, die ebendies einst waren.
Kommentare (1)Nummer drei…
4. Februar, 2010 @ 23:16 | FAWM, Liederschreibseln |
… ist da.
Und ich lasse mich jetzt von einem 2007er Pinotáge Paarl sacht in den Schlaf wiegen…
Kommentare (0)Kreative Herausforderungen…
3. Februar, 2010 @ 09:06 | FAWM, Liederschreibseln |
… sind nicht jedermanns Sache. Einer, der jedoch geradezu danach giert, ist mein MitFAWMer Errol Elumir aus Toronto. Sonst hätte er wohl kaum den Wunsch geäußert, mal ein Lied auf Deutsch zu singen…
Errol ist ja ein unglaublich kreativer Kopf, dessen Tag meiner Vermutung nach 48 Stunden hat. Für die Vertonung dieses Textes wird er aber möglicherweise eine Sonderschicht einschieben müssen…
Ergänzung: Und der Spaß geht weiter! Ein MitFAWMer wünschte sich einen Song zum Thema “Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz”. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen.
Und freue mich wie Bolle, daß die liebe Helen (die ich letztes Jahr in London besucht habe) sich daran wagt, diesen Irrsinn zu vertonen und zu singen.
Ergänzung Nr. 2: Benjamin Nolan hat es auch erwischt. Er steht gerade auf Emo-Musik und bat um einen entsprechenden Text. Nunjaaaaaaa….
Nummer zwei: Wo gehör’ ich hin?
2. Februar, 2010 @ 14:57 | FAWM, Liederschreibseln |
Hier isser.
(Glaubt aber bitte nicht, daß das jetzt in dem Tempo so weitergeht. Ich hab’ diese Woche noch ganz schön was zu arbeiten…)
Kommentare (0)FAWM, Nummer eins
2. Februar, 2010 @ 00:11 | FAWM, Liederschreibseln |
Der Anfang ist gemacht. Ich zitiere einfach mal aus dem Singvøgel-Weblog:
Ein Monat ohne sonderlich viel Schlaf, mit medizinisch bedenklichem Kaffeekonsum, mit möglicherweise eher lose gestricktem Nervenkostüm und komplett ungezügeltem kreativen Bewegungsdrang. Der innere Kritiker wird in den Keller gesperrt und erst im März wieder stundenweise herausgelassen. Jetzt lasse ich erst mal etwas anderes raus: die lyrische Sau.
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Den ersten Text und das Demo gibt’s natürlich auch: entweder auf meinem FAWM-Profil oder gleich hier.
Kommentare (0)Ich scharre mit den Hufen…
12. Januar, 2010 @ 22:34 | FAWM, Liederschreibseln |
… denn bald in absehbarer Zeit ist Februar:
