Ok, ich erklär das einfach mal, nachdem einige Leute mich gefragt haben, wie das so für mich läuft bei FAWM:

Es geht dabei nicht um die Serienproduktion von Hits. Nicht einmal um das Schreiben „guter“ Songs, obwohl jede/r Teilnehmer natürlich ihr/sein Bestes geben will. Es geht vielmehr um einen ganz anderen Arbeitsansatz als derjenige, der im Songschreiber-Alltag sonst zum Tragen kommt.

Wenn ich nämlich normalerweise ein Lied komponiere, dann habe ich immer schon den Kontext im Hintergrund, in dem das dann gesungen wird. In meinem Fall ist das natürlich dieser. Und damit auch schon das Ziel und die Intention, so passend und gut wie möglich zu schreiben, damit das der Band und dem Publikum auch gefällt.

Viele Motive fallen also schon allein deswegen durch den Rost, weil das Sujet nicht zur Band paßt oder die Instrumentierung in eine ganz andere Richtung will.

Dann gibt es noch den „Qualitätsfilter“. Manche Ideen verfolge ich schon früh nicht weiter, weil irgendetwas in mir sagt „das wird ja eh nix“. In etlichen Fällen liege ich da wohl sogar richtig. Aber wenn ich mal an einem Thema dranbleibe, das auf den ersten Blick nicht „greift“, dann gebe ich ihm die Chance, daß es das doch tut, und zwar meist ganz anders, als ich ursprünglich gedacht hatte.

„Marathon-Liederschreibing“ (danke, Sven, das trifft’s gut 😉 ) sorgt also dafür, daß die beiden oben erwähnten Filter kurzzeitig ausgeschaltet werden. Durch den immensen Zeitdruck entsteht eine Konzentration, die Erlaubnis gibt. Zum Entwurf. Zum Experiment. Und das macht Spaß!

Erlaubnis

9 Gedanken zu „Erlaubnis

  • 2. Februar 2009 um 17:50
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    Dann habe ich das Projekt doch richtig verstanden …
    Auch nach meiner Erfahrung sind es „Filter“, wie die von Dir genannten, die verhindern, dass aus Idee Projekte und aus Projekten z. B. Lieder werden.
    (Wobei ich noch ein paar „Filter“ mehr „auszuschrauben“ hätte, als die von Dir genannten – welche, gehört nicht in die Öffentlichkeit.)
    Dennoch wären längst nicht alle „kreativen Geister“ zu so einem Marathon in der Lage – außergewöhnliches Können und viel (Selbst-)Disziplin gehören m. E. unbedingt dazu. Du hat beides.

  • 3. Februar 2009 um 04:48
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    Sujets, die nicht zu den Singvøgeln passen? Da fallen mir spontan keine ein. Kannst du mir ein paar Beispiele nennen?

  • 3. Februar 2009 um 09:13
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    Mir fallen da schon einige nicht-vøgelige Sujets ein – und zwar auch solche, die ich Karan „auch so“ nicht zutrauen würde, z. B. seichte, schnulzige Schlager (es sei denn, als Parodie). Auf der CD “Aphrodhita” gibt es mehrere Lieder, die ich mir von den Singvøgel nicht so recht vorstellen könnte, Aphrodhita, Kuan Yin oder Luna.

  • 3. Februar 2009 um 16:55
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    Genau…! Und obwohl die Singvøgel ja eine Multiinstrumentalistin beschäftigen, ist die dennoch kein Oktopus und spielt daher maximal eins gleichzeitig. 🙂
    Die Instrument-Kombinationen innerhalb unserer Dreierbesetzung sind zwar vielfältiger als bei den meisten andern Bands, aber nicht beliebig: Wenn ich z.B. Gitarre spiele und Karan bläst was zu Svens Beat, fehlt schonmal eine Bassbegleitung. Wer aber Bass zupft, kann nicht gleichzeitig blasen (ich schon gar nicht, hihi).
    Stilistisch freuen wir uns natürlich sowohl über die tatsächliche Bandbreite als auch über die uns darüberhinaus noch zugetraute… 😉

    Aber schon mancher angeprobte Song fand nicht auf die Bühne, weil er einfach in keins unserer jeweiligen Konzertprogramme passte.

    Auch einige Lieder z.B. aus meinem früheren Solorepertoire ließen sich nicht sinnvoll umsetzen oder einfügen.

    Diese Erfahrungen fließen beim Schreiben oft schon mit: gerade wenn man sich das begonnene Thema, textlich wie musikalisch, von der eigenen Band gespielt vorstellt – was ja durchaus beflügelt. Ein Lied wie „Großer Donner“ konnte ich nur schreiben mit einer (wenn auch erstmal vagen) Vorstellung treibender Trommeln Svens.

    Der Liederschreibmarathon würde mich selber reizen: nur hab ich leider grad aussichtslos wenig Zeit. Aber vielleicht hol ich das mal nach…

  • 3. Februar 2009 um 17:01
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    Inspiriertes „Stift- und Tastenglühen“ möcht´ ich noch wünschen! Möge von Kwasirs Süppchen gehörig was runterdröppeln auf dich! 😉

  • 3. Februar 2009 um 18:39
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    Dankeschön! 🙂

  • 3. Februar 2009 um 20:47
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    Ich habe Sujet im literarischen Sinne auf den reinen Liedtext bezogen; da würde es mich wundern. Wenn man „sujet“ natürlich auf die Gesamtheit von Text plus Melodie plus Arrangement bezieht, gibt es natürlich einige Songs, die zu den Singvøgeln nicht passen.

  • 4. Februar 2009 um 16:38
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    Bei Sujets im Zusammenhang mit Musik denke ich nun mal an musikalische Sujets – und nicht an literarische …

  • Pingback:Der Songschreibesommer kommt! – ryuus Hort

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