Karan

… supersonic butterfly

Exit offenhalten!

19. Dezember, 2008 @ 11:13 | Allgemein |

Exit Deutschland ist eine Initiative, die beim Ausstieg aus der rechtsextremen Szene hilft. Ihre erfolgreiche Arbeit ist jetzt gefährdet: im Oktober wurde die staatliche Förderung verweigert, auf die ein solches Projekt nun einmal angewiesen ist.

Ich frage mich, wie das zusammengeht: die Nachrichten sind derzeit voll von Berichten über die Ermittlungen zum Attentat gegen den mutigen Passauer Polizeipräsidenten. Obiges Dilemma ist offenbar keine Meldung wert.

Exit Deutschland arbeitet nicht belehrend und missionierend, sondern setzt direkt am Weltbild der Rechtsextremen bzw. an dessen Widersprüchen an. Das ist möglich, weil Aussteiger aus der Szene für die Organisation tätig sind und ihr Wissen und ihre eigene Geschichte miteinbringen.

Einer von ihnen ist Matthias Adrian. Im Interview mit “Freitag 51″ gibt er höchst lesenswerte Einblicke in die Entwicklung (s)einer rechtsextremen Weltanschauung - und deren Auflösung. Besonders interessant sind die Informationen zu kulturellen Hintergründen:

“In der Vorstellung der Rechtsextremen steht der “nordisch geprägte Mensch” obenan. Und zu diesem nordisch-germanischen Bereich zählt auch die Kultur der Römer. Neben den Römern werden die Griechen vereinnahmt. Die repräsentieren die Kunst des Westens oder die Kunst im europäischen Kulturkreis, der man die Kunst des Ostens und der anderen Völker entgegenstellt. (…)
Der Rechtsextremismus nimmt durchaus auch den David von Michelangelo für sich in Beschlag. Das ist wesensgemäß, das ist Kunst des europäischen Geisteswesens und mit moderner Kunst nur schwer vereinbar.”

“Was die NPD will, ist kein Landser-Konzert im Bundestag oder vor dem Brandenburger Tor, sondern einen Nazi-Musikantenstadl. Wenn man sich das NPD-Kulturkampfkonzept einmal richtig anschaut, dann ist das erste, was die machen würden, VIVA und MTV abschalten. Ganz klar.”

Rechtsextreme Musik als Propagandamittel, zum Erreichen eigener Ziele, die der in der Jugendkultur verankerten Gestalt dieses Mittels manchmal regelrecht zuwiderlaufen, wenn man nur mal genauer hinguckt - das ist nichts neues. Relativ neu jedoch ist die systematische Unterwanderung der mittlerweile sehr diversifizierten “Gesamtgesellschaft der (Sub-)Kulturen”:

“In den achtziger und neunziger Jahren hat die extreme Rechte probiert, ganze Subkulturen für sich zu vereinnahmen; die Skinheads sind das bekannteste Beispiel. Mittlerweile geht es eher darum, in jeder Subkultur eine rechtsextreme Ecke zu etablieren.”

Das ganze Interview gibt’s hier.

(via)

 


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2 Responses to “Exit offenhalten!”

  1. Bodecea Says:

    Sehr interessantes Interview, danke.

  2. MartinM Says:

    Ein wichtiges Interview, danke für den Hinweis.

    “Mittlerweile geht es eher darum, in jeder Subkultur eine rechtsextreme Ecke zu etablieren.”

    Was leider allzu gut klappt, wohl, weil die Neonazis Symptom, aber nicht Ursache, des deutschen Alltagsrassismus und der latenten Demokratiefeindlichkeit sind.
    Bezeichnet übrigens, dass Exit auf der Kippe steht und haGalil nicht gefördert wird. Projekte, die wirklich etwas gegen Rassisten, Antisemiten, Diktaturfreunde und “nationale Sozialisten” bewirken.
    Es ist frustrierend, wenn angesichts der kackbraunen “Kameraden” die einen nach dem Obrigkeitsstaat rufen (und damit ungewollt durchaus die autoritären Ziele der Rechtsextremisten fördern) und die anderen noch mehr Projekte mit dem Logo “Gegen Rechts” ins Leben rufen. Beides macht offensichtlich keinen Sinn, sonst wären wir 18 Jahre nach den ersten Lichterketten gegen rechte Gewalttäter weiter. Zumindest beschädigen Projekte wie “Netz gegen Nazis”, auch wenn sich nicht viel bewirken, nicht die Demokratie …

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