Es ist ein menschengemachtes Ding, dieser 31. Dezember.
Eine scharfe Kante, wo doch die Natur weiche Übergänge zeichnet.
Zwar ist auch die Wintersonnenwende astronomisch genau bestimmbar, aber das steigende Jahr rollt langsam und gemächlich in die wieder spürbare Helligkeit.

Da gibt es keine klare Datumsgrenze.

Wir machen es uns oft regelrecht schwer, ein neues Kalenderjahr zu beginnen: mit Vorsätzen, mit Befürchtungen, mit Rückblicken und versuchten Vorhersagen. Warum tun wir das eigentlich?
Steckt dahinter nicht auch ein gerüttelt‘ Maß an Hoffen und Bangen, Angst und Unsicherheit?

Unser Messen der Zeit lässt jedes neue Jahr vor unserem inneren Auge liegen wie eine Brücke, von der wir nicht wissen, ob sie wirklich trägt.

Und darum haben wir Menschen wohl schon seit Anbeginn unserer Zeitmessungen versucht, dieser Unsicherheit mit Ritualen zu begegnen, mit Bannsprüchen gegen die Angst.

Doch in Wirklichkeit ist das Verstreichen der Zeit zwischen Heute und Morgen nicht anders als das zwischen zwei sonstigen beliebigen Tagen.

Und in Zeiten, in denen uns politische und soziale Unsicherheit täglich in den Medien und vielfach auch im eigenen Leben begegnet und die persönlichen, individuellen Ängste und Unsicherheiten noch verstärkt, scheint es mir doppelt wichtig, mir dies alles wieder einmal bewusst zu machen.

Auch mich reißt es natürlich wieder mit, dieses seltsame Silvestergefühl. Auch ich werde heute abend wachbleiben – allerdings habe ich die Freude, mit lieben Menschen auf das neue Kalenderjahr anstoßen zu dürfen.

Aber ich will noch etwas anderes tun:
Vertrauen.

Dazu gehört für mich auch ein klares Nein zum Nihilismus unserer Epoche, der so viele in Zynismus und Hoffnungslosigkeit treibt und ihnen den Weg zu einer gesunden Spiritualität verstellt.

Stattdessen sage ich Ja zum erlebten und erahnten Guten. Zu den Spuren der Sinnhaftigkeit, die ich im vergangenen Jahr auch in schwierigen Zeiten erleben durfte. Zum Prinzip der Dankbarkeit – oh, da ist so vieles wofür ich dankbar bin! Die Bewahrung meiner Lieben; die Hilfe, die oft ganz unerwartet kam; die Inspiration, die Neues und Schönes ermöglichte.

Und natürlich bin ich dankbar für alle, die mir ihre Ermutigung und Unterstützung geschenkt haben, ihr Vertrauen und ihre Freundschaft. Und ihre Zeit – zum Beispiel beim Besuch eines meiner Konzerte.

Ich habe das hier jetzt einfach so hingeschrieben ohne lange darüber nachzudenken. Ist das auch ein „Schwellen-Ritual“? Mag sein – aber gleichzeitig will ich mich in diesem Winter ganz bewusst dem weichen Übergang anvertrauen, dem langsam wieder zunehmenden Licht.

Uns allen wünsche ich Licht im Herzen, Gesundheit, Vertrauen, Dankbarkeit und Frieden für 2018!

Gedanken zum Jahreswechsel