Herr Doktor, mir geht es gar nicht gut, ich kann mich kaum mehr rühren.
Herr Doktor, so ein elendes Dasein will ich nicht mehr führen.
Also geben Sie mir bitte Medizin oder wenigstens ’ne Diagnose,
denn meine Lebensqualität geht gerade mächtig in die Hose.
Ich fühle mich in diesem meinem Land überhaupt nicht mehr geborgen;
die Zustände der Gegenwart machen mir die größten Sorgen.

Herr Doktor, wenn ich Zeitung lese, schießt mein Blutdruck in die Höhe;
ich bin jedes Mal einer Ohnmacht nah, wenn ich die Nachrichten im Fernsehen sehe,
ins Internet gehe ich schon lange nicht mehr, ohne Beruhigungstee zu trinken,
und doch dröhnt mir der Kopf von all den dummen Kommentaren, die dort zum Himmel stinken.
Am meisten Bauchweh machen mir jedoch diese rassistischen Idioten;
wenn die so weitermachen wie in letzter Zeit, gibt es wohl bald die ersten Toten,

Es wird gelogen und gehetzt,
das Grundgesetz ist schwer verletzt,
die Menschenrechte hängen schief –
ich glaub, ich bin germanisch depressiv!
Ja, ich bin germanisch depressiv!

Herr Doktor, Sie sagen mir: „Machen Sie sich bitte frei!“ –
Das ist ein wirklich guter Rat, da bin ich gern dabei,
nur leider weiß ich nicht, wie ich mich freimachen kann von der Hoffnungslosigkeit,
die mich so hilflos und so wütend macht schon seit geraumer Zeit.
Ich kann und will die rechte Propaganda nicht kapieren
und muss gestehn, manchmal würd ich am liebsten emigrieren!

Es wird gelogen und gehetzt,
das Grundgesetz ist schwer verletzt,
die Menschenrechte hängen schief –
ich glaub, ich bin germanisch depressiv!
Ja, ich bin germanisch depressiv!

Germanisch depressiv