Die Künstlersozialkasse wollen sie plattmachen (ja, ich weiß, das ist erst mal auf Eis, aber wie lange?), die Funkmikrophonfrequenzen werden ersatzlos (!) weggenommen, um sie meistbietend an die Mobilfunk-Betreiber zu verscherbeln – das mag alles auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber es zeigt doch ganz deutlich, wo der Schwerpunkt der Gesetzgebung liegt: auf Gewinnmaximierung und ganz gewiß nicht auf Kulturvermittlung.

Noch so ein Nadelstich: Künstlernamen stehen seit neuestem nicht mehr in den Ausweisen, weder im Reisepaß noch im Perso. Erst kürzlich wurde eine Rücknahme dieser Regelung abgelehnt. Mal abgesehen davon, daß ich ohne den Eintrag schon so manches Mal beim Paketabholen ein Problem gehabt hätte: hier geht es um Identität bzw. um deren Abwertung. Die Abschaffung der Eintragung dient der „Verwaltungsvereinfachung“? Da kann ich nur höhnisch lachen.

Kultur, so sie nicht auf den seltenen Wogen immensen finanziellen Erfolges reitet, wird in die Irrelevanz hinweginterpretiert; in Not geratene Künstler wären hilflos ohne gegenseitige Solidarität, und es ist bereits so weit, daß dreizehnjährige Cellistinnen, wie ich kürzlich im Deutschlandradio hörte, zwar liebend gerne Musik studieren würden, sich aber nicht trauen, weil das ja „finanziell so unsicher“ ist. („Dann mach ich halt Mathematik, da kann ich viel Geld verdienen…“).

Sven hat recht, wenn er an den oft verklärten „Armen Poeten“ erinnert, der doch nun wirklich kein Ideal ist, sondern ein bedauernswertes Opfer der ihn umgebenden geistigen Verflachung und Ignoranz.

Es ist an der Zeit (das sagt ja auch der Text, den ich heute morgen fand), daß auch wir Kulturschaffenden lernen, daß wir keine Einzelkämpfer sein müssen. Und daß Angst meist ein schlechter Berater ist…

Nadelstiche

5 Gedanken zu „Nadelstiche

  • 30. September 2008 um 19:21
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    Daß die „Künstlernamen“ Geistlicher öffentlichrechtlich anerkannter Kirchen dennoch eingetragen werden sollen (und nur diese), könnte dann ein Aufhänger für eine verfassungsrechtliche Überprüfung sein, da das den Gleichheitsgrundsatz berührt.

    Insgesamt fände ich, auch wenn ich keinen Künstlernamen trage, eine Streichung schade. Ich kenne genug Künstler, die ihren „eigentlichen“ Namen kaum noch kennen.

  • 30. September 2008 um 20:45
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    Danke für die Information, das habe ich nicht gewußt und dem werde ich mal nachgehen…

  • 1. Oktober 2008 um 22:59
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    Das mit den Funkmikrophonfrequenzen ist ja der Hammer. Die anderen Sachen auch, aber von denen hatte ich schon gehört und etwas verarbeiten können.
    Das ist ja unglaublich. Das ist ja krank.
    Die glauben alle immer noch an den Homo Oekonomikus. Fürchterlich.
    LG BärenSchwester

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