1 ... 13 14 15 16 17 ... 19

Karan

… supersonic butterfly

Aus aktuellem Anlaß

12. November, 2008 @ 16:53 | Öffentliche Ärgernisse |

Man sollte erwarten, daß im Volk ein Aufschrei des Entsetzens erfolge vor der Möglichkeit, daß man es seiner Freiheit und seiner Möglichkeiten berauben könnte, und daß Politiker, selber verkehrt durch ihren bloßen Betrieb, sich ahnungslos den Gewaltmenschen anschließen, um das Werkzeug zu schaffen für den Freiheitsmord. Niemand wird sagen dürfen, man habe die Folgen nicht gewußt oder nicht wissen können. (…)

Unsere Staatsstruktur beruht auf der Angst vor dem Volk, dem Mißtrauen gegen das Volk. Das Mißtrauen, zu dem umgekehrt vorläufig noch das Volk gegenüber Parteien, Regierung und Politikern verpflichtet wäre, gibt sich nicht genügend und nicht wirksam kund.

(Karl Jaspers, 2. Mai 1966)

Kommentare (5)

“Mama Afrika” ist tot

10. November, 2008 @ 16:34 | Kultur & Kontext |

Ihr Leben lang hat Miriam Makeba bewiesen, daß Musik eine stärkere Waffe als Gewehre und Bomben, eine tragfähigere Brücke als diplomatische Spitzfindigkeiten und politische Verträge sein kann. So ist es denn auch nur folgerichtig, daß sie unmittelbar nach einem (Benefiz-)Konzert starb - in Italien, einem Land, dessen derzeitiger Zustand ihrer humanitären Botschaft nur allzusehr bedarf…

“N’kosi Sikeleli Afrika” ist tatsächlich so etwas wie die “afrikanische Nationalhymne”, nämlich ein im ganzen Kontinent (auch als offizielle Hymne vieler Staaten) verbreitetes Lied. Hier singen es u. A. Miriam Makeba, Ladysmith Black Mambazo - und Paul Simon.

Ach ja, und natürlich:

Kommentare (0)

Inspiration

29. Oktober, 2008 @ 08:40 | Kultur & Kontext |

Ist das genial. Ein Weblog von Liederschreibern über das Liederschreiben. Mit dabei ist Suzanne Vega, die ich sehr mag und schon zweimal live erleben durfte.

Daß ich über diese Texte stolperte, ist eine interessante Synchronizität: gestern fragte ich mich nämlich selber wieder einmal, wie das denn nun ist mit der Inspiration, die sich gerade ein wenig schwer tut bei all dem regnerischen Grau, das so penetrant auf’s Innenleben abzufärben versucht. Die Antwort meiner inneren Stimme war deutlich: Beobachten. Splitter und Scherben aus dem Gedankenwust klauben. Labyrinthisch sein. Und dabei nicht auf die Uhr schauen.

Suzanne Vega geht es offenbar ähnlich wie mir: ihre Lieder beginnen mit einem einzelnen Bild, einer Metapher, einer Melodie. Dies braucht dann natürlich Raum zum Werden und Reifen. Hier kommt die Konzentration in’s Spiel. Hektische Suchbewegungen führen nicht weiter, sondern nur in die Verkrampfung. Der erste Schritt jedoch ist stets die schwebende Aufmerksamkeit für die Stimmen und Visionen, die sich zu Wort melden.
Inspiration bedeutet, den schöpferischen Geist hineinzulassen. Er ist immer da. Ich muß also bloß die Türe aufmachen…

Kommentare (2)

Sind so kleine Hände…

27. Oktober, 2008 @ 11:13 | Rares und Obskures |

Die meinigen nämlich.

Wer mich kennt, wird freilich sagen “sooo klein sind sie doch gar nicht.” Stimmt. Aber manchmal eben doch zu klein. So kann ich zum Beispiel nur eine normal große Shakuhachi spielen und keine der wundervollen, tiefer klingenden, weil die eben deutlich länger sind und ich an die Grifflöcher nicht hinkomme. Bzw. sie nicht richtig schließen kann.

Beim Baß umgehe ich das Problem durch ein Instrument mit kurzer Skalierung.

Am Klavier hatte ich früher auch gewisse Schwierigkeiten. Hätte ich nur damals schon gewußt, daß es da eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Lösung gibt! Aber seht selbst:

Kommentare (6)

Zeitliches

23. Oktober, 2008 @ 10:09 | Persönliches |

Vergeht die Zeit, vergehen wir, oder ist das alles nur eine Sache der Wahrnehmung?

Vor ein paar Tagen sah ich per Zufall im Fernsehen eine Sendung über Hundertjährige. Zu den Porträtierten gehörte die Schriftstellerin Ilse Pohl, eine geistvolle und beredte Dame, die überhaupt erst im Alter von 69 Jahren mit dem ernsthaften Schreiben begonnen hat und bis zum heutigen Tag damit weitermacht.
In ihrem Gesicht sah ich die Siebzehnjährige, die sie einst gewesen sein muß. Ist diese Zeit vergangen? Oder liegt sie in ihr bewahrt, lebendig bis heute?

Körperliche Veränderungen des Alters, Spuren der vergehenden Zeit: sie werden ertragen, sie werden bekämpft, sie sind Realität - und gleichzeitig auch eine Perspektivangelegenheit. Unter den Hundertjährigen waren solche, die sich ihre körperliche Beweglichkeit in großem Maß erhalten konnten. Ich vermute, daß die geistige Regsamkeit dazu beigetragen hat, wie auch umgekehrt der Körper den Geist beflügelt.

Wahrscheinlich ist die Zeit (und alles, was mit ihr zusammenhängt, also auch das Alter) relativ. Ihr Tempo scheint sich mit den zunehmenden Jahren subjektiv zu beschleunigen, aber wir alle kennen immer noch und immer wieder diese Augenblicke, wo sie stillzustehen scheint: dann nämlich, wenn wir zutiefst betroffen, berührt, aber auch inspiriert und beflügelt sind.
Vielleicht ist die Zeit tatsächlich die maßgebliche Dimension des Irdischen, die den Kreislauf des Werdens und Vergehens in Bewegung hält.
Leben jedoch ist mehr als dies. Ist die noch größere Dimension, die all dies - auch die Zeit - enthält.

Über solcherlei nachdenkend, erhielt ich einen schönen Spruch geschenkt:

“… denn es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint, das uns verbraucht und zerstört wie die Handvoll Sand, sondern als etwas, das uns vollendet.”
- Antoine de Saint-Exupéry

Auch dies ist wohl eine Frage der eigenen inneren Haltung dazu. Die errungen werden will - denn allzu leicht ist es, sich der Resignation über Vergangenes und Unerfülltes hinzugeben, den Blick auf das Zerstörte zu richten und dabei zu übersehen, daß der Baum, der aus den Trümmern wächst, stärker zu sein verspricht als die schäbige Hütte, die da vorher stand.

Worte, Worte.
Ich geh mal wieder leben… ;-)

Kommentare (0)

Freedom of Musical Expression

16. Oktober, 2008 @ 12:05 | Kultur & Kontext |

Kinder, die in Baghdad ein Musikinstrument lernen möchten, haben es schwer: sie tun gut daran, nicht gerade Trompete oder Saxophon zu spielen, da sie besonders mit lauten Instrumenten die unerwünschte Aufmerksamkeit bewaffneter Islamisten erregen könnten. Auf dem Weg in die Musikschule werden die Instrumente aus Furcht gerne verborgen (ich frage mich, wie das mit einem Kontrabaß oder auch bloß mit einer sperrigen Oud gehen soll…)

Daß die Chinesen bekannte tibetische Sängerinnen und Sänger zum Schweigen bringen, überrascht leider nicht sonderlich.

In Europa passiert so etwas nicht? Falsch: Die Stadtverwaltung von Les Saintes Maries de la Mer in Frankreich hat denen dort alljährlich ein großes Pilgerfest feiernden Roma untersagt, auf den Straßen Musik zu spielen - was aber grundlegend zum Charakter der Feier gehört.

Diese drei Beispiele sind willkürlich aus einer Internetplattform herausgegriffen, die sich weltweit gegen Zensur und Unterdrückung von Musik und Musikern wendet und die ich Euch zur Lektüre und zum Verlinken empfehle:

http://freemuse.org

Am besten stellt Ihr Euch einen Beruhigungstee neben den Bildschirm, denn beim Lesen wird wahrscheinlich der Blutdruck hochgehen…

Kommentare (1)

Ich sammle…

9. Oktober, 2008 @ 11:48 | Persönliches |

Herbst05
Farben für den Winter…

Kommentare (4)

Trotz alledem…

7. Oktober, 2008 @ 19:58 | Persönliches |

… und alledem. Trotz der vielen globalen und regionalen Ängste, die mir ebenso wie vielen anderen Menschen allmählich in’s Hirn sickern: es hilft nix, den Kopf in den Sand zu stecken. Außer vielleicht, um mal kurz die Eier zu begutachten, die dort, nicht ganz ungelegt aber auch noch nicht für aller Augen bestimmt, vor sich hin brüten.

Ich habe heute offiziell angefangen, was eigentlich bereits im Sommer begonnen hat. Das nächste Karan-Solo-Abenteuer war ja schon lange überfällig und wird bestimmt auch noch eine gute Weile brauchen, bis es ausgewachsen ist und aus dem Ei schlüpfen darf. Aber der Anfang ist gemacht. Es ist so gut, endlich wieder im Studio zu sein.

So, und mehr wird nicht verraten! :-)

Kommentare (1)

Nadelstiche

30. September, 2008 @ 19:03 | Kultur & Kontext |

Die Künstlersozialkasse wollen sie plattmachen (ja, ich weiß, das ist erst mal auf Eis, aber wie lange?), die Funkmikrophonfrequenzen werden ersatzlos (!) weggenommen, um sie meistbietend an die Mobilfunk-Betreiber zu verscherbeln - das mag alles auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber es zeigt doch ganz deutlich, wo der Schwerpunkt der Gesetzgebung liegt: auf Gewinnmaximierung und ganz gewiß nicht auf Kulturvermittlung.

Noch so ein Nadelstich: Künstlernamen stehen seit neuestem nicht mehr in den Ausweisen, weder im Reisepaß noch im Perso. Erst kürzlich wurde eine Rücknahme dieser Regelung abgelehnt. Mal abgesehen davon, daß ich ohne den Eintrag schon so manches Mal beim Paketabholen ein Problem gehabt hätte: hier geht es um Identität bzw. um deren Abwertung. Die Abschaffung der Eintragung dient der “Verwaltungsvereinfachung”? Da kann ich nur höhnisch lachen.

Kultur, so sie nicht auf den seltenen Wogen immensen finanziellen Erfolges reitet, wird in die Irrelevanz hinweginterpretiert; in Not geratene Künstler wären hilflos ohne gegenseitige Solidarität, und es ist bereits so weit, daß dreizehnjährige Cellistinnen, wie ich kürzlich im Deutschlandradio hörte, zwar liebend gerne Musik studieren würden, sich aber nicht trauen, weil das ja “finanziell so unsicher” ist. (”Dann mach ich halt Mathematik, da kann ich viel Geld verdienen…”).

Sven hat recht, wenn er an den oft verklärten “Armen Poeten” erinnert, der doch nun wirklich kein Ideal ist, sondern ein bedauernswertes Opfer der ihn umgebenden geistigen Verflachung und Ignoranz.

Es ist an der Zeit (das sagt ja auch der Text, den ich heute morgen fand), daß auch wir Kulturschaffenden lernen, daß wir keine Einzelkämpfer sein müssen. Und daß Angst meist ein schlechter Berater ist…

Kommentare (5)

An die Gefährten…

30. September, 2008 @ 09:52 | Lyrik & Prosa &soweiter, Persönliches |

… die mit mir schwimmen:

Hier ist ein Fluß, er fließt jetzt sehr schnell.
Er ist so mächtig und reißend,
daß einige Angst bekommen.
Sie versuchen, sich am Ufer festzuklammern,
und das wird sie schier zerreißen - sie werden sehr leiden daran.

Ihr müßt wissen, daß der Fluß seine Bestimmung hat.
Die Älteren sagen uns: laßt das Ufer los,
stoßt euch ab, bis in die Mitte des Stroms,
und haltet die Köpfe über Wasser.
Und sie sagen: Schaut, wer da mit euch ist. Und feiert.
Zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte dürfen wir nichts persönlich nehmen,
am allerwenigsten uns selbst,
denn sonst kommen unser geistiges Wachstum und unsere Reise zum Stillstand.

Die Zeit des einsamen Wolfs ist vorüber.
Kommt zusammen.
Verbannt das Wort “Mühsal” aus eurer Einstellung und eurem Wortschatz.
Alles, was wir jetzt tun, muß auf eine heilige Art und Weise getan werden. Und im Feiern.
Denn wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.

(Prophezeiung der Hopi)

Kommentare (4)
1 ... 13 14 15 16 17 ... 19