Es knallte, es knallte noch einmal und dann ging nichts mehr. Mein Auto stand und ließ sich nicht einmal wegschieben. Natürlich mitten im abendlichen Berufsverkehr. Kollege S. schmiß das Warndreieck auf die Straße und regelte den Verkehr um das unwillkommene Hindernis herum, Kollege D. entleerte in Windeseile den Kofferraum und diverse Verstecke in den Seitentüren und lud die Beute in den Kollegenwagen. Ich telefonierte mit dem Pannendienst und raufte mir ausführlich die Haare.

Eine Stunde später rief der Fahrer des Abschleppwagens an: er stünde im Stau auf der Autobahn, Ende unabsehbar. Kollege S. hatte mittlerweile das Vorbeiwinken der zögerlichen Autoschlange zu tänzerischer Virtuosität perfektioniert. Kollege D. mußte auf’s Klo. Dumm sowas, mitten in der Stadt. Zum Glück gab es ein Flüßchen mit Uferböschung und Gebüsch.

Endlich kam der Abschleppwagen. Nur wußte der gar nichts von mir. Es war nämlich ein ganz anderer, der zufällig des Weges fuhr. Kurzer Anruf an die Zentrale, damit der andere in Ruhe im Stau stehen konnte und nicht mehr herkommen mußte. Dann wurde das Auto auf den Hänger gezerrt. Die Reifen waren völlig blockiert. Ich klemmte mich auf den Beifahrersitz, füllte Formulare aus und begann mich mit dem Fahrer zu unterhalten. Er stellte sich als leidenschaftlicher Musikliebhaber mit einer Vorliebe für Pink Floyd heraus, und wir redeten uns so in Begeisterung, daß er mal eben eine rote Ampel überfuhr. Und die Kollegen im anderen Auto hinter uns zurückblieben.

Auf dem Gelände der Autowerkstatt hatten sie uns dann irgendwie wieder eingeholt. Ich kritzelte einen Zustandsbericht auf ein Blatt Papier und schmiß es samt dem Autoschlüssel in den Briefkasten.

Der Rückruf der freundlichen Werkstatt am anderen Morgen verhieß leider nichts Gutes. Getriebeschaden. Ohne sofortige familiäre Spendenbereitschaft könnte ich das jetzt gar nicht reparieren lassen.

Ich muß zugeben, ich war zuerst schwer in Versuchung, das Ganze in die Schublade: „Immer geht was schief, buhäää!“ zu packen. Das war mir aber dann doch zu blöd, vor allem was die langfristigen Konsequenzen einer solchen Bewertung angeht. Stattdessen lege ich die Angelegenheit lieber unter „So was passiert eben“ bzw. „Glück im Unglück“ ab, denn immerhin ist’s nicht in Schnarchnasingen an der Gähn oder auf der einsamen Autobahn zwischen Ödnis und Langeweil geschehen – oder irgendwo in einem Ausland, dessen Sprache ich nicht beherrsche…

Alleswirdgutalleswirdgutalleswirdgut!

‚putt

12 Gedanken zu „‚putt

  • 29. Juli 2008 um 12:35
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    schöne scheisse. kopf hoch!

    (hier steht immer noch eine flasche met von euch….)

  • 29. Juli 2008 um 16:43
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    Glück im Unglück, stimmt irgendwie schon. Hoffentlich hält sich der Getriebeschaden finanziell noch einigermaßen im Rahmen.

    Was ich allerdings an Dir bewundere:
    „Er stellte sich als leidenschaftlicher Musikliebhaber mit einer Vorliebe für Pink Floyd heraus, und wir redeten uns so in Begeisterung, daß er mal eben eine rote Ampel überfuhr.“
    Ich wäre in so einer Situation wohl gar nicht der Lage, mich angeregt über Musik zu unterhalten …

  • 29. Juli 2008 um 17:40
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    hmm .. ich kann Dich trösten 🙂

    Gestern flatterten als Montagsgeschenk drei Amtsgerichtsklagen gegen mich in mein Haus, was also die Klagen, die derzeitig gegen mich laufen auf 4 erhöht. Ein weiterer hat schon angekündigt, daß er seine unberechtigten Forderungen seinen Anwälten übergeben will. Damit wäre das also die 5te.

    Du siehst 🙂 Ich hab hier auch meinen Spaß, vor allem, weil es mir so was von schnurz ist und ich genau weiss: Wenn ich mich auch nur ein fitzelchen Ärgern würde, dann hätte derjenige sein Ziel mir gegenüber erreicht. So aber grinse ich und bin inzwischen nur noch am freundlich lachen.

    (Das heißt natürlich nicht, daß ich mir das nicht angenehmer vorstellen kann ohne solchen Blödfug, aber hey: Man kanns ja auch einfach nehmen, wie es kam und den Witz finden 🙂 )

  • 29. Juli 2008 um 18:28
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    @WirrLicht: Da müssen wir bald mal gluckgluck machen, hier oder dort! *freu*

    @Martin: Oh doch, das war Nervenbalsam! 🙂

  • 29. Juli 2008 um 18:50
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    Und an den Autohersteller werde ich mich auch nochmal wenden – offenbar ist das kein Einzelfall. Der Mechaniker meinte jedenfalls, bei dem Alter und km-Stand hätte das überhaupt nicht passieren dürfen…

  • 29. Juli 2008 um 19:01
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    Hmpf… ich frag mich, was passiert wäre, wenn das mitten in voller Fahrt passiert wäre…
    Schlimm genug, daß das Getriebe kaputt ist… aber, daß dann die Räder blockieren, das ist ja richtig gefährlich 🙁 !
    Zum Glück ist euch nichts passiert dabei!
    Viele Grüße
    Aurisa

  • 29. Juli 2008 um 19:18
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    @Kai: Doch, das tröstet wirklich. Daß man so was gelassen nehmen kann, auch wenn’s (wie bei Dir) ganz dicke kommt!

  • 29. Juli 2008 um 19:21
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    @Aurisa: Das ging mir auch schon im Kopf herum. Zum Glück war’s Feierabendschleichverkehr. An dem Tag war ich aber vorher auch auf der Autobahn…

    Wie schön, daß es gut ging: ich hab‘ ja noch viel zu tun hier! 🙂

  • 30. Juli 2008 um 12:02
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    „ich frag mich, was passiert wäre, wenn das mitten in voller Fahrt passiert wäre…“

    Unmittelbar lebensgefährlich sollte das nicht sein – es ist ja nicht so, dass ein Auto mit „Getriebefresser“ in dem Sinne blockieren würde wie bei einer Vollbremsung ohne ABS, d. h. rechts ´ranfahren ranrutschen ist noch möglich. Beim einem Allrad-PKW mitten in der Kurve kann das schon anders aussehen, und auf einem Motorrad oder Motorrad ist es wirklich gefährlich.

  • 1. August 2008 um 09:01
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    Mensch, so ein Ärger. Ich drück dir die Daumen, dass es nicht ZU teuer wird!

    Alles Liebe
    Bodecea

  • 1. August 2008 um 13:47
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    Baahhh das scheint dieses Jahr nicht der Sommer für Autos zu sein.
    Wir haben unsere Motorschadenpanne auch schon hinter uns. Zum Glück auch nicht weit von zu Hause entfernt, auf ruhiger Landstraße, und nicht im Ausland und zwar kurz vorm Urlaub aber dennoch rechtzeitig reparabel (wenn auch schweineteuer!). Und wir es hielt auch sogleich ein freundlicher junger Mann an, der uns bereitwillig auf den nächsten Parkplatz abschleppte. Auch Glück im Unglück, – wie bei Euch ;-).
    Es gibt da übrigens sehr sinnvolle Pannenversicherungen (Kostenpunkt unter 10 Euro pro Jahr). Die zahlen immerhin das Abschleppen bis zur nächsten Werkstatt und ab einer gewissen Entfernung von zu Hause auch die Rückfahrt dorthin bzw Übernachtung unterwegs.Je nach Preislage ist natürlich mehr oder weniger Luxus im Preis inbegriffen, aber allein mit einmal Abschleppen kann man, je nach Entfernung, locker einige hundert Euro loswerden.

    Ich kann sowas nur empfehlen, – besonders, wenn man ein etwas betagteres Auto fährt. Uns hat das schon zweimal sehr genützt.

    Dann wünsche ich dem Gefährt gute Besserung 😉
    lg

    Zia

  • 1. August 2008 um 14:03
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    Ich nochmal.
    Das Zauberwort heißt „Mobilitätsgarantie“. Man muß sich da ein bißchen informieren, weil es auch schwarze Schafe gibt, aber wie gesagt, unsere hat bis jetzt immer gut funktioniert und sich als sehr hilfreich uns kostensparend herausgestellt.
    lg
    Zia

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