Ein Schiff treibt verlassen im Ozean und niemand will es mehr haben.
An Deck wohnen Schwärme von Möwen und in der Kombüse, da wimmeln die Schaben.
Der Rumpf ist schon gänzlich von Muscheln bedeckt,
ein Seeigel hat sich am Ruder versteckt
und geht mit auf die Reise, die Reise, die nirgendwo endet …

Denn als dieses Schiff noch im Hafen lag, da haben wir es übernommen.
Und dann ist ein mächtiger Winterorkan über’s Meer und die Küste gekommen.
Die Leine riss und die See schlug hoch
und heute fahren wir immer noch,
denn wir sind auf der Reise, der Reise, die nirgendwo endet …

Wir Ratten erobern das sinkende Schiff und wir flicken die Löcher und Risse.
Wir brauchen kein Segel, kein Steuerrad, denn wir fahren ins Ungewisse.
Wir bleiben auf See und gehen nie mehr an Land,
denn dort sind wir verfemt, als abscheulich bekannt,
ja wir sind auf der Reise, der Reise, die nirgendwo endet …

Ein Schiff treibt verlassen im Ozean, es ist unsere Heimat geworden.
Der Sturm führt das Ruder und weht uns umher, von Westen nach Süden nach Norden.
Wir haben die Freiheit, wir brauchen kein Ziel,
wir haben ein Schiff, brauchen sonst nicht mehr viel,
denn wir sind auf der Reise, der Reise, die nirgendwo endet …

(In Erinnerung an die Lyubov Orlova und ihre tierische Besatzung.)

Rattenschiff