Kürzlich habe ich etwas Wunderbares geschenkt bekommen.

Als Kind bin ich beinahe ertrunken. In einem öffentlichen Schwimmbad. Ich war zu der Zeit gerade dabei, das Schwimmen zu lernen, konnte es aber noch nicht richtig. Und habe es hinterher überhaupt nur so einigermaßen hinbekommen, weil eine hilfsbereite Sportlehrerin sich darum gekümmert hat. An In’s-Wasser-Springen oder daran, auch nur die Ohren (geschweige denn die Nase) unter die Oberfläche zu halten, war aber seit dem Vorfall nicht mehr zu denken.

Ja, ich habe ein regelrechtes „Wasser-Trauma“. Und das, obwohl ich das Meer liebe. Ich schwimme auch gerne darin, sogar bei Temperaturen deutlich unter 20 Grad, nur halte ich eben den Kopf hoch aus den Fluten, wie eine ängstliche Ente. Schaut komisch aus, funktioniert aber (solange es keine allzu hohen Wellen gibt).

In’s Schwimmbad verschlägt es mich nur selten. Ich mag kein Chlor und keine Menschenmassen. Neulich jedoch erlag ich den Verlockungen einer Therme. Und da gab es ein Solebecken mit sehr hohem Salzgehalt. Traumhaft für die Haut, körperwarm, so eine große, runde Riesenbadewanne eben.

Begleitet wurde ich von zwei Menschen, denen ich zutiefst vertraue und die auch um meine riesigen Ängste wußten. Und die haben mich dann am Kopf und an den Füßen festgehalten und gaaaanz behutsam und langsam auf das Wasser gelegt. Das mich aufgrund des vielen Salzes natürlich bestens trug. Irgendwann waren dann auch die Ohren unter Wasser und ich merkte verblüfft, daß man da ja trotzdem noch was hören kann. Und noch eine gute Weile später schwebte ich dann ganz entspannt (und ohne noch länger festgehalten zu werden) im Becken herum.

Ich glaube, so ähnlich müssen sich Astronauten in der Schwerelosigkeit fühlen. Ich wußte kaum mehr, wo oben und wo unten war. Es war eine unvorstellbar schöne und neue Art der Entspannung, weil der Körper ja nirgendwo aufliegt und trotzdem kein Muskel irgendeine Kraft aufbringen muß. In mir erwachte eine tiefe Erinnerung, es war etwas Urvertrautes, Uraltes, ein Nach-Hause-Kommen unbeschreiblicher Art. Ich war in meinem Element.

Was ich schrieb, in meinen Liedern „Muschelkalk“ und „Aller Anfang ist Meer“, das waren tiefe Ahnungen. Nun weiß ich: es ist wahr. Klar, wir sind als Embryos alle mal frei und unbeschwert herumgeschwommen. Aber ich glaube, die Verbindung zum Wasser ist noch viel elementarer. Das Wasser ist der Ursprung allen Lebens.

Ich bin den beiden liebevollen Menschen so dankbar, die mir so geduldig und sanft geholfen haben, meine blöde Wasser-Phobie ein Stück weit zu überwinden.

Wir sind verbunden mit den Ozeanen, wir sind Fische auf dem Land …

Schwerelos

4 Gedanken zu „Schwerelos

  • 11. Dezember 2013 um 18:20
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    wundersam und wunderschön. ich kenne dieses Schweben und liebe es mehr als alles sonst, was mit wasser zu tun hat. schwerelos. und wenns dann noch leise musik unter wasser gibt und der raum fast dunkel ist… da bin ich zu hause. und ich liebe deine beiden lieder, die mich immer wieder an diese verbindung zum wasser erinnert.
    reinspringen? tauchen? ich nicht, aber schweben. ich wünsche dir von herzen, dass du das erleben, ausbauen und genießen kannst. gehalten zu werden, ganz sacht im wasser bewegt zu werden, das sind so dinge, die mir liebe menschen schenken, die wissen, dass das für mich herzensgaben sind 🙂 danke fürs teilen 🙂 es hat mich so berührt, dass ich nichts auf FB dazu schreiben oder liken werde, es gehört hier hin in dein blog und gut <3
    irka, fischefrau

  • 11. Dezember 2013 um 19:43
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    Liebe Karan….
    ….für all deine wunderbaren Lieder, die immer wieder mein Herz und meine Seele so tief berühren und um dir ein Stückchen zu helfen dich im Wasser wieder geborgen und zuhause zu fühlen schenke ich dir bei deinem nächsten Österreichaufenthalt eine „Wassertanzenstunde“ bei meiner lieben Freundin Elvira.
    Wassertanzen oder auch Wassershiatsu ist ein unbeschreibliches Erlebnis!
    Ich, auch eher wasserscheu, hab es erlebt und es hat mich ungeheuerlich beeindruckt!!!
    In tiefer Verbundenheit….
    Sylvia Sophia, Wasserfrau und Skorpionfrau

  • 11. Dezember 2013 um 19:47
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    Oh, liebe Sylvia Sophia, darüber freue ich mich unbändig! Ich habe vor vielen Jahren einmal über Wassershiatsu gelesen, mit wehmütiger Sehnsucht, denn ich hätte das nie für mich in Erwägung gezogen. Jetzt aber sieht alles anders aus. DANKE!

  • 13. Dezember 2013 um 10:37
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    Es gibt nichts schöneres, als wenn man von Menschen dabei unterstützt wird,; tiefsitzende ängste zu überwinden, weil sie einem verstehen und man ihnen vertrauen kann. Wasser ist ein herrliches Element. Es wäre sehr schade gewesen, wenn Dir diese tiefere Erfahrung damit verwehrt geblieben wäre. Der Besuch dieser Therme war demnach sehr wichtig und sehr heilsam, auf mehreren Ebenen.

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