Ab 1.11.2010 sollen jetzt also diese Hundechips für Menschen neuen biometrischen und auch noch mit RFID verschandelten Ausweise eingeführt werden. So was will ich gar überhaupt nicht haben.

Ab 11.11.2010 ist es wieder möglich, Künstlernamen in den Perso eintragen zu lassen. Das brauche ich ganz dringend, sonst kann ich nicht mal meine Päckchen von der Post abholen.

Und was nun?

Ich bin, sehr gelinde gesagt, stinksauer.
Was ist das für ein Staat, der seine Bürger unter Generalverdacht stellt?
Was ist das für ein Staat, der Künstler-Sein als irrelevant für die Identität der Kulturschaffenden wie auch der allgemeinen Öffentlichkeit wertet (das gedankenlose Abschaffen der Künstlernamen im Perso ist dafür ebenso ein Symptom wie die rasche Zurücknahme dieses Blödsinns auf Betreiben einer einzigen (!) Abgeordneten, siehe Link oben).

Und es steht zu befürchten, daß es den meisten Bürgern doch wieder egal ist, nach dem ebenso fadenscheinigen wie irrigen Motto „können wir eh nix machen“ bzw. „wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“…

Daß letzteres falsch ist, wußte schon Martin Niemöller. Und mit ersterem will ich mich nicht zufriedengeben. Es muß doch noch andere KünstlerInnen (oder Ordensleute, die betrifft das nämlich auch!) geben, die gerne korrekt benamst und so lange wie möglich biometriefrei sein wollen…

Meine heimliche Hoffnung ist ja, daß das ALLE wollen. Ich koche mir jetzt einen Baldriantee und sinke in wildwuchernde Träume. Was sehe ich da in Technicolor? Geröstete RFID-Chips? In Aschenbechern und Öltonnen flackernde Ausweise? Findige Juristen, die Musterprozesse aufrollen? Straßen voller Demonstranten? Demokratie? Ja wirklich, Demokratie?

To be or Biometrie?

10 Gedanken zu „To be or Biometrie?

  • 15. Dezember 2009 um 00:58
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    Es wird kommen, denn die Leute wollen nichts lernen, und wie solche Chips funktionieren, das wissen viele nicht. Und was damit möglich ist, das wollen sie nicht wissen, weil sie nicht wissen wollen, wie es funktioniert. (Langsam versuche ich zu begreifen, dass ich als neugieriger Mensch Teil einer Minderheit bin.) Oder sie sind einfach keinen Deut kreativ. Das Genre der Science Fiction beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit kreativem Horror und jeden Tag wird ein Stück davon wahr. Die schärfsten Kritiker neuer Technologien kommen nicht selten aus dem Lager der Informatik, denn da kennt man sich aus.

  • 15. Dezember 2009 um 09:58
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    Ist es eigentlich strafbar, ohne aktuellen Ausweis zu sein?

  • 15. Dezember 2009 um 10:16
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    In Deutschland sind das Gesetz über Personalausweise (PersAuswG) und die landesrechtlichen Ausführungsgesetze einschlägig. Deutsche Staatsangehörige mit Vollendung des 16. Lebensjahrs müssen entweder einen gültigen Personalausweis oder einen gültigen Reisepass (Ausweispflicht) besitzen (§ 1 PAuswG). Eine Mitführungspflicht besteht nur in seltenen Ausnahmen (z. B. beim Führen bestimmter Waffen)

    also: haben musst du einen, mit herumtragen nicht

  • 15. Dezember 2009 um 10:37
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    Ich stimme dir zu. Was hier in D mit dem Namensrecht und anderen Vorschriften für eine Paragraphenreiterei betrieben wird, ist wirklich nervig.

    Alleine um meinen Vornamen von Sven in Svenja ändern zu lassen, habe ich ein volles Jahr gebraucht, drei Psychiater, zwei Gutachten und 3.000 Euro. Sowas macht doch schließlich niemand nur zum Spaß.

  • 15. Dezember 2009 um 23:31
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    Hmmm… muß ich das Ding wohl einschweißen oder so… http://www.foebud.org/rfid/was-kann-ich-tun

    @Svenja: Drei-tau-send Euro? Unglaublich! Aber in Betrachtung der Lage der Dinge leider nicht verwunderlich. 🙁

    @Martin: Meiomei. Da wird Zu-Fuß-gehen, Radfahren oder Reiten wieder richtig attraktiv.

  • 17. Dezember 2009 um 10:34
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    Die ökonomischen Interessen an dem neuen Perso sind klar: er soll eine bundesweite eierlegende Wollmilchsau für alle Online-Prozesse sein. Also eine garantierte Monopolrendite für die gut mit der Politk verfilzten Hersteller (man denke z. B. an Ex-Innenminister Otto Schily).

    Ein weiterer „Vorteil“: Online-Händler und Banken können, wenn es so eine „Universallösung“ gibt, sämtliche Risiken den Kunden aufbürden, weil diese Wunder-Perso ja „hundertprozentig sicher“ und (nach Herstellerangaben) unhackbar ist.
    Was sie nicht bedenken: die so entstehende Mono(pol)kultur – eine einzige technische Lösung, ein einziger Hersteller – ist eine Einladung für Manipulationsversuche. (Aus dem selben Grunde, aus denen über 98% allen Computerviren MS-Windows-Viren sind – obwohl Winzigweich zum Glück kein völliges oder gar staatlich garantiertes Monopol innehält.)

    Zusammen mit den Möglichkeiten der „diskreten“ Überwachung durch RFID ist der “gläserne Bürger” ein ganzes Stück näher gekommen. Wobei das Problem meiner Ansicht nach weniger „Missbraucher“ mit (politischer) krimineller Energie sind, sondern „es gut“ meinende und „nur zum eigenen Besten der Bürger“ handelnde Sozialingenieure.

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