Es ist der Abend des 28. Februar – FAWM over! Dies ist nun das zehnte Mal, dass ich bei diesem auf den ersten Blick völlig verrückten Projekt mitgewirkt habe.

Songwriter aus der ganzen Welt lassen sich beim February Album Writing Month direkt in ihrer Werkstatt besuchen. Das ist ungewöhnlich und ungewohnt, denn normalerweise bekommt das werte Publikum ja nur die „Sahne“ zu hören, die man von der vorher produzierten „Molke“ abgeschöpft hat. Will sagen: was auf der Konzertbühne zu Gehör gebracht oder auf CD gepresst wird, ist poliert, geprobt und verfeinert. Bei FAWM hingegen, wo es ja darum geht, 14 Lieder in 28 Tagen zu schreiben, präsentieren – von einigen Technikzauber_innen abgesehen – die meisten (ich auch) notgedrungen nur Skizzen. Da sind Songs im Kaulquappenstadium dabei, aus denen noch was ganz anderes werden will, da sind Fingerübungen dabei, die normalerweise kein Mensch je zu hören bekommen würde, und dann gibt es auch Sachen, denen man schon anhört, dass sie funktionieren und die dann auch ins Repertoire Eingang finden werden.

Warum dieser Liederschreibe-Marathon?

Zum einen ist es natürlich toll, den inneren Kritiker mal einen Monat lang in den Keller zu sperren. Wer sich diesem Prozess aussetzt, hat nämlich keine Zeit mehr, sich dessen Sprüche anzuhören. Lied fertig, zack, weiter zum nächsten.
Zum anderen ist es wunderschön, zu hören, was andere Menschen so für Musik machen. Die Bandbreite geht von ausgefuchsten Vollprofis bis zu Totalanfänger_innen, und natürlich quer durch alle nur denkbaren musikalischen Stilrichtungen. Sehr inspirierend!
Und für mich selbst kommt dann noch der dritte Aspekt hinzu, dass ich einfach total gern so konzentriert Lieder schreibe. Der Februar ist für mich nun ein „heiliger Monat“, aus dem ich – soweit wie möglich – alles andere heraushalte, sofern es sich irgendwie verschieben lässt. Es hat ja jede_r so gewisse Vorlieben zum Arbeiten, und mir taugt diese geballte Konzentration ungemein gut.

Außerdem mag ich es, wie die Welt in der FAWM-Gemeinschaft zusammenrückt, Russen und Amerikaner_innen, Deutsche und Australier_innen, Finnen und Engländer_innen … FAWM ist eines der Dinge, die das Internet überhaupt erst möglich gemacht hat und wofür ich es liebe.
Und ich mag die Menschen, die da mitmachen. Sie haben nämlich eins gemeinsam: sie haben allesamt keine Scheu, sich über die Schulter gucken zu lassen, auch mal Unfertiges und Nicht-Perfektes herzuzeigen – und einen Riesenspaß miteinander zu haben. Ja, genau so ist das Liederschreiben: tatsächlich wie in einer Werkstatt. Da fliegen die Späne, da riecht’s nach Leim, aber da wird auch gefeiert, wenn Nut und Feder besonders reibungslos zusammenfinden.

Und genau aus diesem Grund freue ich mich jetzt schon auf’s nächste Jahr!

Warum ich nun schon zum zehnten Mal beim „February Album Writing Month“ mitgemacht habe